Vier Punkte Vorsprung reichen nicht

1954
1955

Mit einer neuen Nummer Eins geht die Eintracht in die Saison 54/55. Helmut Henig, seit 1947 Stammtorhüter, wechselt nach Ulm zur dortigen TSG. Sein Nachfolger wird der 23-jährige Egon Loy aus Schwabach bei Nürnberg, der sich gegen Alex Rothuber durchsetzt und gleich in seiner ersten Saison in Frankfurt 28 der 30 Meisterschaftsspiele absolviert. In der Kabine am Riederwald trifft Loy mit dem Stürmer Erich Bäumler auf einen Mannschaftskameraden aus der Bayernauswahl, der für die Eintracht bis 1960 insgesamt 110 Oberligaspiele absolvieren wird. Den Verein verlassen unter anderem Erich Ebeling, Erich Geier, Heinz Kaster und Friedel Reichert.


Erich Bäumler wechselt
von der SpVgg Weiden
an den Riederwald

1954 ist auch das Jahr, in dem sich ein 25 Jahre alter Landschaftsgärtner am Riederwald vorstellt. Sein Name: Anton Hübler. Zunächst für die Grünflächenpflege verantwortlich, fungiert Toni ab der Einführung der Bundesliga 1963 als Zeugwart und wird für mehr als vier Jahrzehnte die gute Seele bei Eintracht Frankfurt sein.

Zur Saisonpremiere hat die Eintracht "die wohl stärkste Vereins-Hintermannschaft in der Bundesrepublik" ('Der neue Sport') am Riederwald zu Gast und zeigt, dass mit ihr bei der Titelvergabe in dieser Oberligasaison wieder zu rechnen ist. Vier Mal muss der Ex-Eintrachtler und frisch gebackene Weltmeister Toni Turek im Düsseldorfer Tor hinter sich greifen und darf kein eigenes Tor bejubeln.

Der Start in die Pflichtspielsaison verläuft dann jedoch eher holprig. Zwar wird die erste Runde im DFB-Pokal mit einem 1:0 gegen FK Pirmasens überstanden und zu Saisonauftakt der Oberliga mit ebenfalls 1:0 der erste Sieg auf dem Bieberer Berg nach 15 Jahren gefeiert, doch in den nächsten fünf Partien gibt es unter anderem Niederlagen gegen die Stuttgarter Kickers (0:2) und bei Schwaben Augsburg (0:2) sowie ein frühes Pokal-Aus in der 2. Hauptrunde beim FC Altona 93 (1:2).


Der 'Kicker' präsentiert Egon Loy
als 'neuen Torwart-Stern am
deutschen Fußball-Himmel'

Von diesen Nackenschlägen erholt sich Eintracht aber eindrucksvoll, bleibt in den verbleibenden zehn Spielen der Hinrunde ohne Niederlage und holt 18:2 Punkte. Am 11. Spieltag übernehmen die Adlerträger nach einem 4:3-Sieg gegen den bisher erstplatzierten SSV Reutlingen die Tabellenspitze der Oberliga Süd und können bis zur Halbzeit der Saison den Vorsprung auf vier Punkte ausbauen.

Leider kann die gute Form der Hinrunde nicht gehalten werden. Drei durch Spielerausfälle bedingte Niederlagen in Folge am 19., 20. und 21. Spieltag kosten die Tabellenführung. Gelingt es anfangs noch, sich in der Spitzengruppe zu halten und sogar den ersten Tabellenplatz zurückzuerobern, reichen in den letzten fünf Spieltagen zwei Heimsiege nicht, um den Titel zu verteidigen, da die Eintracht ihre Auswärtsspiele in Reutlingen, Karlsruhe und Augsburg allesamt verliert. Letztlich landen die Riederwälder mit 36:24 Punkten auf dem vierten Platz - mit einem Punkt Abstand auf den Tabellenzweiten SSV Reutlingen, der in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft einzieht.

Für die Riederwälder ist die verpasste Finalrunde besonders bitter, da für die Heimspiele erstmals das auf 80.000 Plätze erweiterte Stadion zur Verfügung gestanden hätte. So bleibt lediglich die Teilnahme an der auch Toto-Runde genannten Oberliga-Vergleichsrunde, in der die Gegner Hannover 96, Fortuna Düsseldorf und Phönix Ludwigshafen heißen und die man als Zweiter hinter den 96ern abschließt.

 

 

 
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© text by fg