Wieder erste Kraft im Frankfurter Fußball
|
|||||
| 1927 |
Wieder einmal wird das Spielsystem in Süddeutschland revidiert.
Im Verbandsgebiet bilden fortan vier die Bezirksligen Württemberg-Baden,
Bayern, Main/Hessen und Rhein/Saar, die in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt
werden, die höchsten Spielklassen. Die acht Gruppenersten spielen
im Anschluss in einer doppelten Punktrunde die Süddeutsche Meisterschaft
aus, wobei Meister und Vizemeister für die Endrunde um die Deutsche
Meisterschaft qualifiziert sind. Dritter Vertreter aus Süddeutschland
für diese Endrunde wird der Sieger der Runde der Zweit- und Drittplatzierten.
Aufgrund der guten Ergebnisse der letzten Spielzeit tritt die Eintracht in der Bezirksliga Main/Hessen, Gruppe Main, mit ehrgeizigen Zielen an. Zudem hat man mit dem gerade einmal 20 Jahre alten Kronberger Karl Ehmer einen Neuzugang verzeichnen können, der seine Treffsicherheit bereits in den Freundschaftsspielen zum Ende der letzten Saison bewiesen hat. Und Ehmer erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen: Zwar bleibt er beim Sieg gegen Kickers Offenbach (2:0) im ersten Ligaspiel noch ohne Torerfolg, aber in den folgenden acht Spielen, die die Eintracht allesamt gewinnt, bringt er es auf 16 Treffer. Letztlich wird Ehmer in allen 22 Ligaspielen zum Einsatz kommen und dabei 34 Treffer erzielen. Überhaupt zeigt sich die Eintracht in dieser Spielzeit äußerst torhungrig, ihr gelingen in 37 Pflichtspielen 133 Tore.
Am 2. Oktober tritt die Eintracht im Rahmen des 10. Spieltags als ungeschlagener Tabellenführer vor 25.000 Zuschauern zum Derby mit dem ebenfalls noch verlustpunktfreien FSV an. Ehmer erzielt zwar auch hier ein Tor, letztendlich reicht es aber nur zu einem 1:1. Dieses Spiel ist auch die Premiere von Gustav Wieser, einem 26-maligen Nationalspieler aus Österreich, der als neuer hauptamtlicher Trainer die Spielertrainer Walter Dietrich und Fritz Egly ablöst. Unterstützt wird Wieser von Otto Boer, einem Leichtathleten, der für die Konditionsarbeit verantwortlich zeichnet. Danach setzt die Eintracht ihre Erfolgsserie mit drei weiteren Siegen fort. Schon am 14. Spieltag ist wiederum der FSV der Gegner. 40.000 Zuschauer sehen im Stadion ein 2:0 der Eintracht, mit dem die Riederwälder nicht nur die Tabellenspitze souverän verteidigen, sondern auch den FSV nach fünf Jahren der Bornheimer Vorherrschaft als erste Kraft im Frankfurter Fußball ablösen. Zwar leistet sich die Eintracht im nächsten Spiel gegen Rot-Weiß Frankfurt die erste und einzige Saisonniederlage (0:1), zum Ende der Punktrunde im Dezember ist die Mainmeisterschaft aber bei 91:13 Toren und 41:3 Punkten mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz unter Dach und Fach.
Ernüchternd ist der Start in die Punktrunde um die Süddeutsche Meisterschaft. Das Heimspiel gegen Bayern München geht mit 0:2 verloren, zudem wird Ehmer vom Platz gestellt und wegen einer Tätlichkeit für zwei Monate gesperrt. Auch in der zweiten Partie bei den Stuttgarter Kickers reicht es nur zu einem 1:1. Doch dann spielt sich die Eintracht mit fünf Siegen in Folge, darunter ein 7:2 bei Waldhof Mannheim, wieder in Tuchfühlung mit der Tabellenspitze. Zwei Unentschieden bei Bayern München (2:2) und zu Hause gegen die Kickers aus Stuttgart (0:0) sowie ein 2:3 vor 35.000 Zuschauern im Stadion gegen die SpVgg Fürth lassen die Hoffnungen auf den Süddeutschen Meistertitel allerdings schwinden. Durch vier Siege in den letzten vier Spielen sichert sich die Eintracht
dennoch den Vizemeistertitel und qualifiziert sich für die im Pokalmodus
ausgetragene Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. Gegner im Achtelfinale
ist die Spielvereinigung Sülz 07. Im Müngersdorfer Stadion
erzielt Ehmer mit dem zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer zwar sein
40. Pflichtspieltor in seiner ersten Saison für die Riederwälder,
letztlich muss sich die Eintracht aber mit 1:3 geschlagen geben.
|
||||
© text by fg