VfB Leipzig - Eintracht Frankfurt

2. Bundesliga 1996/1997 - 30. Spieltag

2:3 (1:0)

Termin: 17.05.1997
Zuschauer: 5.500
Schiedsrichter: Frey (Neu-Ulm)
Tore: 1:0 Nico Däbritz (21.), 1:1 Alexander Schur (48.), 1:2 Urs Güntensperger (71.), 1:3 Urs Güntensperger (82.), 2:3 Steffen Heidrich (87., Foulelfmeter)

 

>> Spielbericht <<

VfB Leipzig Eintracht Frankfurt

  • Daniel Hoffmann
  • Kujtim Shala
  • Detlef Schößler
  • Frank Edmond
  • Holm Pinder
  • Steffen Heidrich
  • Nico Däbritz
  • Guido Hoffmann
  • Ivica Bancic
  • Ronny Kujat
  • Henri Fuchs

 


 

Wechsel

  • Alexander Opoku für Ronny Kujat (66.)
  • Matthias Lindner für Holm Pinder (75.)
  • Torsten Jülich für Henri Fuchs (82.)

Wechsel

Trainer

  • Siegfried Held

Trainer

 

 

Nach der Pause aufgewacht

Mit dem dritten Auswärtssieg der Saison konnte die Frankfurter Eintracht für spürbare Erleichterung sorgen – vor allem bei Trainer Horst Ehrmantraut. Der als distanziert geltende Fußballlehrer zeigte sich nach dem Spiel in Leipzig im VIP-Zelt von einer ungewohnt lockeren Seite: Er schrieb Autogramme, ließ sich mit einem jungen Fan fotografieren und verbrachte viel Zeit in Gesellschaft von Präsident Rolf Heller.

Auch Heller war bester Laune und lobte seinen Trainer: „In der Rückrunde unter Ehrmantraut haben wir bereits jetzt drei Punkte mehr geholt als mit Stepanovic in der gesamten Hinrunde.“ Zudem sah er Fortschritte im spielerischen Bereich und freute sich über den gelungenen Abschluss: „Nach all den miserablen Spielen der Vergangenheit bin ich jetzt rundum zufrieden.“

Doch der Erfolg hatte sich zunächst nicht abgezeichnet. Vor 5.600 Zuschauern im heißen Bruno-Plache-Stadion dominierten die Gastgeber aus Leipzig das Geschehen in der Anfangsphase. Mit theoretischen Chancen auf den Aufstieg warf die Sachsen-Elf alles nach vorn und brachte die Frankfurter Abwehr früh in Bedrängnis. Nur Libero Marco Rossi hielt mit einer souveränen Leistung dagegen. Maurizio Gaudino, als zweite Spitze aufgeboten, wurde konsequent von Detlef Schößler gedeckt, der den Frankfurter Spielmacher nicht aus den Augen ließ. „Wir waren zu weit weg vom Gegner und zeigten keine Aggressivität“, kritisierte Ehrmantraut die schwache erste Hälfte. Folgerichtig ging Leipzig in der 20. Minute durch einen sehenswerten Volley-Drehschuss von Daeberitz in Führung, nachdem die Eintracht-Abwehr eher zuschaute als eingriff.

In der Halbzeitpause gab es klare Worte vom Trainer, und die Eintracht kam mit neuer Energie zurück. Der glückliche Ausgleich fiel bereits in der 48. Minute, als Schur nach einer Ecke von Gaudino den Ball mit dem Knie über die Linie bugsierte. Danach drehte die Eintracht auf und zeigte einen schnellen, effektiven Konterfußball. Zweimal setzte Gaudino seine Mitspieler mit präzisen Pässen perfekt in Szene, und zweimal war es Güntensperger, der in der 71. und 82. Minute eiskalt verwandelte. Zwar erzielte Heidrich in der 87. Minute per Elfmeter nach einer schauspielhausreifen Flugeinlage von Opoku den Anschlusstreffer, doch die rund 700 mitgereisten Eintracht-Fans ließen sich ihre gute Laune nicht mehr nehmen.

Trainer Ehrmantraut sah den Erfolg als Bestätigung seiner harten Arbeit: „Ich habe viel durchgestanden und mir Respekt erkämpft.“ Optimistisch fügte er hinzu: „Aus den letzten vier Spielen will ich die maximale Punktzahl holen.“ Präsident Heller hingegen mischte in die Freude über den Sieg auch leisen Ärger: „Es sind nur noch sieben Punkte bis Platz drei – hätte die Mannschaft früher so gespielt, stünden wir heute ganz oben.“

Spielmacher Gaudino bedauerte ebenfalls die verpassten Gelegenheiten: „Hätten wir von Anfang an die Spielweise der Zweiten Liga angenommen, könnten wir oben mitspielen. Aber jetzt ist es zu spät.“ Ob er selbst der Eintracht treu bleibt, ließ er offen. „Das neue Angebot ist sehr gut“, erklärte Gaudino, „aber es geht nicht mehr nur ums Geld.“ Während in Basel bereits auf seine Unterschrift gewartet wird, soll auch der VfL Bochum wieder Interesse an dem Ex-Nationalspieler haben.

Libero und Gaudino-Freund Marco Rossi bestätigte, dass seinem Kollegen mehrere Angebote vorliegen. Rossi selbst zögert ebenfalls mit einer Vertragsverlängerung in Frankfurt und überlegt, ob er vielleicht in die dritte italienische Liga wechseln soll. Präsident Heller will Rossi unbedingt halten, während Trainer Ehrmantraut abwartet: „Mal sehen, wie er sich in den nächsten Wochen präsentiert.“ Ehrmantraut sprach sich klar für den derzeit gesperrten Houbtchev als Libero aus und betonte: „Zwei Spieler für dieselbe Position brauche ich nicht.“ Allerdings dürfte die Entscheidung schwerfallen, denn Rossi zeigte in Leipzig erneut, dass er seinem Kollegen in Sachen Qualität derzeit überlegen ist. Während Abwehrspieler Alexander Kutschera einen neuen Drei-Jahres-Vertrag unterschreiben wird, bleibt die Zukunft von Rossi und Gaudino also weiter ungewiss.

 

 

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