Karlsruher SC - Eintracht Frankfurt

Testspiel 2009/2010

3:0 (0:0)

Termin: Samstag, 09.01.2010, 14:00 Uhr in Belek (Türkei)
Zuschauer: 250
Schiedsrichter:
Tore: 1:0 Akin (70.), 2:0 Cuntz (84.), 3:0 Chrisantus (86.)

 

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Karlsruher SC Eintracht Frankfurt


  • Miller
  • Schäfer
  • Langkamp
  • Drpic
  • Demirtas
  • Mutzel
  • Engelhardt
  • Staffeldt
  • Stindl
  • Fink
  • Tarvajärvi

 


 

Wechsel

  • Zimmermann für Demirtas (69.)
  • Akin für Tarvajärvi (69.)
  • Krebs für Stindl (69.)
  • Cuntz für Engelhardt (82.)
  • Chrisantus für Fink (82.)
2. Halbzeit
Trainer Trainer

Verbalem Unwetter folgt Burgfrieden

Nur einen Tag nach dem 5:1-Sieg gegen Oberhausen steht nach einem harten Vormittagstraining ein weiteres Testspiel an. Gegner ist der Bundesligaabsteiger und aktuelle Tabellenachte Karlsruher SC. Wie schon gegen RWO wird Trainer Skibbe seine Mannschaft nach 45 Minuten bis auf den heute im Tor stehenden Nikolov komplett austauschen. In der Abwehr beginnen diesmal Jung, Chris, Preuß und Spycher, im Sturm sollen - unterstützt von Caio, Ochs, Titsch-Rivero und Schwegler - erneut die Nachwuchsspieler Tsoumou und Alvarez für Tore sorgen.

Zu Beginn ist es vor den rund 250 Zuschauern auf dem hoteleigenen Platz ein munteres Spiel, beide Mannschaften spielen den Ball schnell und direkt nach vorne. Nach einer ersten Chance für Titsch-Rivero (8.) ist nun Karlsruhe am Drücker. Tarvajärvi kommt vor dem Strafraum an den Ball und zieht urplötzlich ab. Torhüter Nikolov kann das Leder nur nach vorne abklatschen, so dass Fink unbedrängt einnetzt. Doch der türkische Schiedsrichter ist auf der Höhe und entscheidet auf Abseits (11.). Weiter geht es mit dem direkten Spiel, nach einem schönen Pass von Alvarez läuft sich Jung im rechten Halbfeld frei und zieht ab. Doch der Pfosten rettet für den schon geschlagenen Torhüter Miller, den Nachschuss kann er parieren (21.).

Danach jedoch ist es vorbei mit der Frankfurter Herrlichkeit, die Fehlpässe häufen sich. Auch die Abwehr wirkt unsicher, so dass Preuß mit einem Seitfallzieher klären muss, als Torhüter Nikolov eine Flanke nicht abfangen kann (26.). Der Spielaufbau hapert nun zunehmend, Jung wirkt völlig ausgepumpt und auch von Caio ist nach einer guten Anfangsphase nichts Konstruktives mehr zu sehen. Immerhin rackern Alvarez und Ochs, der nach einem feinen Zuspiel des 18jährigen mit seinem Knaller aus gut 20 Metern nur knapp das rechte Toreck verfehlt (32.). Doch das war es schon an Torchancen, mit dem 0:0 geht es in die kurze Pause.

Während Karlsruhes neuer Trainer Schupp, der als Spieler in der Saison 95/96 am ersten Abstieg der Eintracht mit werkelte, keinen Wechsel vornimmt, tauscht Michael Skibbe wie angekündigt das komplette Team aus. In der Abwehr stehen nun Mahdavikia, Franz, Russ sowie Petkovic, während im Sturm Meier und Primorac spielen. Doch das Team harmoniert nicht, Toski und Köhler können im Mittelfeld nicht für Impulse sorgen, Meier macht sich unsichtbar und Heller läuft sich auf der rechten Außenbahn ein ums andere Mal fest. Zudem wirkt die Innenverteidigung mit Franz und Russ alles andere als sattelfest. Gut nur, dass die Badener aus den sich ihnen bietenden Möglichkeiten viel zu wenig machen. Aber auch Torhüter Miller langweilt sich. Bis auf einen Freistoß von Teber, der weit über den Kasten segelt, kommt das Leder kaum in seine Nähe (62.).

Dann die 70. Spielminute, der kurz zuvor eingewechselte Krebs setzt sich auf der rechten Außenbahn durch und flankt an den langen Pfosten, Akin setzt sich gegen Mahdavikia durch und schiebt das Leder zum 1:0 für Karlsruhe ins Netz. Kein Grund für die lethargischen Adler, ihre Spielweise zu ändern. Das Bemühen, zum Ausgleich zu kommen, bleibt meist bereits im Ansatz stecken. Und erneut kann sich Chrisantus auf der rechten Seite locker gegen Köhler und Petkovic durchsetzen, um in den Strafraum zu flanken, genau zum Sekunden zuvor eingewechselten Cuntz, der mit einem satten Schuss Torhüter Nikolov überwindet. Das 2:0 für Karlsruhe (84.).

Nur zwei Minuten später geht das Elend weiter: Nach einem Ballverlust der Adler im Halbfeld stürmt Akin die Außenbahn entlang und passt quer auf den mitgelaufenen Chrisantus, der nun mutterseelenallein dem hinauseilenden Torhüter Nikolov entgegen läuft. Mit einem geschickten Heber lupft er den Ball zum 3:0 für Karlsruhe ins Tor.

Das ist auch der Endstand und ein Ergebnis, das Michael Skibbe sehr verärgert: “Wir haben verdient verloren. Der KSC hat in der zweiten Halbzeit gut gespielt, wir waren in der ersten Halbzeit besser. Danach lief bei uns nicht mehr viel zusammen. Die Lauf- und Passwege haben nicht mehr gestimmt, wir haben uns viel zu viele Fehler erlaubt und weder Aggressivität noch Ballsicherheit gezeigt". Für Karlos Primorac war dies das Ende seines Gastspiels bei der Eintracht, betont Skibbe: "Er hat nicht so überzeugen können, dass er uns dauerhaft helfen kann. Da sollte die Eintracht lieber auf ihre jungen Spieler setzen." Und einen Tag später legt der Trainer nach …


Ein Interview und seine Folgen

"Wir sind derzeit in einer Situation, in der die Eintracht nicht mehr in der Lage ist, sich zu entwickeln. Auch durch mehr oder anderes Training ist nicht mehr rauszuholen. Der Kader ist ausgedünnt. Ich mache mir große Sorgen. Wir gehen gehandicapt in die Rückrunde. Der Substanzverlust ist zu groß, um dauerhaft erfolgreich Fußball zu spielen", erläutert Michael Skibbe in einem Interview am Sonntag, um nachzusetzen: “Perspektivisch wird man nicht vorankommen. Es ist keine Entwicklung mehr möglich. Auch in der kommenden Saison wird es nicht besser."

Ob dies als Rücktrittsdrohung zu verstehen ist, wird er gefragt und antwortet vielsagend: "Grundsätzlich habe ich einen Vertrag, aber ich bin bemüht, mich sportlich zu verbessern. Es muss eine Perspektive absehbar sein, auch für mich. Den Status quo zu verwalten, ist nicht mein Ziel. Ich stehe für Veränderung. Aber dazu brauche ich jegliche Unterstützung."

Heribert Bruchhagen reagiert überrascht auf die publizierten Aussagen des Trainers und bestellt ihn nach Rückkehr aus der Türkei zu einem Vorstandsgespräch ein: “Das nervt, sportlich bin ich mit dem bisherigen Ergebnis wie auch mit der Arbeit des Trainers hochzufrieden. Ich habe aber kein Verständnis für seine provokanten Äußerungen, die er immer wieder in der Öffentlichkeit macht."

Unterdessen machen weitere Gerüchte die Runde, von bereits nach dem Leverkusenspiel erteilten Abmahnungen ist die Rede, auch über eine kurzfristige Entlassung des Trainers wird spekuliert. Zudem meldet das Kicker-Sportmagazin, dass Skibbe keinen Zwei-Jahresvertrag, sondern lediglich “einen bis zum 30. Juni 2010 datierten Kontrakt hat, der sich bei Erreichen einer bestimmten Punktzahl (kolportiert werden 40) automatisch bis 2011 verlängert.“

Dienstag, 14.48 Uhr, Heribert Bruchhagen und Michael Skibbe treten gemeinsam zu einer improvisierten Pressekonferenz vor die Medienvertreter. “Wir teilen Herrn Skibbes sportliche Einschätzungen zu 100 Prozent, es gibt keinerlei Dissonanzen“, erklärt Heribert Bruchhagen, um weiter auszuführen: “Michael blickt aufgrund der vielen Verletzten mit einiger Sorge der Rückrunde entgegen. Er sieht unser Ziel von 46 Punkten in Gefahr. Diese Sorge teilen wir. Wir haben Michael allerdings gesagt, dass wir uns wünschen, dass solche Diskussionen im internen Kreis stattfinden. Wir haben auch die Schlussfolgerungen ausgeräumt, dass Michael nicht gerne hier Trainer ist. Er versicherte uns, dass er sowohl mit dem Vorstand als auch mit der Mannschaft gerne zusammenarbeitet." "Ich kann nur all das bestätigen, was Heribert Bruchhagen gesagt hat. Ich bin sehr gerne Trainer von Eintracht Frankfurt. Daran wird sich auch nichts ändern", erklärt Skibbe kurz.

Damit ist der über die Medien ausgetragene Streit beendet. Vorerst. (tr)

 

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