Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach

Bundesliga 1973/1974 - 8. Spieltag

1:0 (0:0)

Termin: Sa 22.09.1973, 15:30 Uhr
Zuschauer: 52.000
Schiedsrichter: Gerhard Schulenburg (Hamburg)
Tore: 1:0 Thomas Rohrbach (47.)

 

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Eintracht Frankfurt Borussia Mönchengladbach

 


  • Wolfgang Kleff
  • Dietmar Danner
  • Berti Vogts
  • Klaus-Dieter Sieloff
  • Hans Klinkhammer
  • Bernd Rupp
  • Ulrich Stielike
  • Jupp Heynckes
  • Horst Köppel
  • Christian Kulik
  • Henning Jensen

 

Wechsel
Wechsel
Trainer Trainer
  • Hennes Weisweiler

 

Der bierchenzählende Buchhalter

Nachdem das Auswärtsspiel in Offenbach am letzten Wochenende verlegt wurde, kommt der Spitzenreiter aus Mönchengladbach ins Waldstadion. Mit 13:1 Punkten ist Weisweilers "Fohlenelf" der erfolgreichste Start seit Bestehen der Bundesliga gelungen. Aber auch wenn die Borussen Nationalspieler wie Danner, Heynckes, Kleff, Sieloff, Vogts und Wimmer in ihren Reihen haben, sind die Gäste gewarnt: Ungeschlagene Tabellenführer haben in Frankfurt einen schweren Stand. Am 13. November 1971 kassierte Bayern München im 15. Spiel die erste Niederlage in der Bundesliga und am 14. Oktober 1972 war es wieder die Eintracht, die im ausverkauften Waldstadion den Siegeszug der Bayern stoppte und erneut den Münchnern die erste Saisonniederlage zufügte.

Gladbach und eine Woche später Bayern München - die beiden nächsten Gegner der Eintracht sind das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat: "Danach wissen wir, ob wir Glücksritter oder große Könner sind", sagt Bernd Hölzenbein und fügt hinzu: "Darüber rätselt die Mannschaft schon seit langem. Nach meiner Meinung haben wir trotz unseres guten Tabellenplatzes in dieser Saison noch nicht einmal wirklich gut gespielt", sagt der Mittelfeldspieler: "Wenn wir jetzt zu unserer echten Leistung finden, ist Gladbach dran."

"Wenn’s nicht klappt, ist erstmal die große Begeisterung dahin", fürchtet allerdings Trainer Weise: "Dann fängt wieder der graue harte Alltag an, und dann geht’s auch noch zu den Bayern." "Eine einmalige Serie! Gladbach, München und vier Tage danach - allerdings kombiniert mit Offenbach - gegen den AC Mailand. Das hat’s noch nicht gegeben", schwärmt Vizepräsident und Lizenzspielerobmann Berger. Es ist "eine Woche, wie ich sie noch nicht erlebt habe", erklärt auch Weise: "Jetzt wird es sich zeigen, ob wir Spitze sind." Bei ihren Anhängern ist das die Eintracht bereits, sie könnte kaum höher im Kurs stehen. "Die Anteilnahme ist geradezu beängstigend", berichtet der Trainer: "Unsere Spieler finden zum Training in diesen Tagen nicht mal Parkplätze."

"Ein Ansturm wie noch nie in der Frankfurter Fußball-Geschichte", will Eintracht-Pressechef Manfred Birkholz mit Blick auf die Kartennachfrage zum Spiel gegen Gladbach ausgemacht haben. 366.000 Mark werden so in die klamme Kasse der Eintracht gespült, es könnte noch erheblich mehr sein, wenn das Frankfurter Waldstadion bereits fertig gestellt wäre. So werden aber "nur" 52.000 Zuschauer das Spiel sehen können, was dem Verein gegenüber der geplanten Stadionkapazität von 63.000 Zuschauern nach eigenen Angaben einen Verlust in Höhe von 160.000 Mark beschert.

Verlust ist das Stichwort für Eintracht-Schatzmeister Jakobi, dem Direktor der Bank für Gemeinwirtschaft, der sagt: "Dieser Tradition des ‚Stopp den Giganten’ müssen wir treu bleiben. Das sind wir unserem verwöhnten Publikum und unserem Etat schuldig. Nur wenn es so weiterläuft, können wir unseren Verpflichtungen reibungslos nachkommen und die Löcher stopfen", führt Jakobi aus und präzisiert: "Die Löcher - das sind 150.000 Mark, die wir im Pokal durch das frühe Ausscheiden gegen Braunschweig (in der letzten Saison) verloren haben, und die weit über 200.000 Mark Einnahmerückstand durch die vergammelte Rückrunde 1972/73." In der abgelaufenen Spielzeit gab es statt der dem Etat zugrunde gelegten Zuschauerzahl von 18.000 bis 20.000 pro Spiel nur knapp 13.000. In dieser Saison beträgt der Schnitt jetzt 31.000 Zuschauer, dabei ist das Heimspiel gegen Gladbach allerdings schon eingerechnet. "Bis Samstag um 17.10 wagen wir nicht mehr durchzuatmen", hofft ein sichtlich angespannter Jakobi auf einen weiteren sportlichen Erfolg.

Entspannt ist dagegen Torwart Dr. Kunter noch eine halbe Stunde vor dem Spiel. Während seine Mitspieler wie Tiger in einem Käfig unruhig hin- und herlaufen, liegt der Schlussmann auf der Massagebank und schmökert in einem Kriminalroman. Es ist ,,Der Zinker" von Edgar Wallace, der den Keeper fesselt. "Nachher komme ich nicht mehr zum Lesen", lautet sein Kommentar, der das Spiel und die 52.000 wartenden Zuschauer im ausverkauften Waldstadion auszublenden versteht.


Kleff vor Rohrbach

 

"Auch wir haben uns in Island was Neues einfallen lassen: Wir spielen alles nach vorn", hat der Gladbacher Vogts angekündigt. Das hat für die Borussen gegen IB Vestmannaeyjar im Europapokal der Pokalsieger beim 7:0-Auswärtssieg auch vortrefflich funktioniert, nur ist die Elf von Trainer Weise ein anderes Kaliber als die isländischen Amateure. Aber daran stören sich die Gäste in der Anfangsphase nicht und zeigen eine Kostprobe ihres Könnens, die offenbart, warum die Borussen in dieser Saison bislang noch in keinem Pflichtspiel ohne Torerfolg geblieben sind.

Das Schussglück ist ungeachtet allen Sturm und Drangs jedoch erst einmal nicht aufseiten der Gladbacher. Jensen, gegen den der antrittsschwache Andree im Laufduell immer wieder das Nachsehen hat, vergibt in der 10. Minute eine gute Einschusschance, Kulik und auch Heynckes ergeht es in der Folge nicht besser. Heynckes, aktuell die Nummer 1 der Torjägerliste, erinnert bei seinem Abschluss an seine Auftritte in der Nationalelf: Entweder schießt er zu schwach, zu unplaciert oder er trifft nicht einmal den Ball.


Nickel und Hölzenbein in Aktion

Es besteht kein Zweifel daran, dass Mönchengladbach die reifere Elf stellt und gegenüber der spielerisch gewiss nicht anspruchslosen Eintracht auch hier eine Spur mehr zu bieten hat. Allein – es gelingt den Borussen nicht, die Überlegenheit auch in Toren auszudrücken. Je länger die Partie andauert, desto mehr rennt und kämpft sich eine verbissene und zu allem entschlossene Eintracht in dieses Spiel. Reichel bekämpft Heynckes mit fairen Mitteln, während Körbel sich mit dem zurückgezogen agierenden, verkappten Spielmacher Köppel auseinandersetzt und dem Gladbacher das Wasser abgräbt wie ein Staudamm.

Im anderen Strafraum liefert sich Hölzenbein, der anstelle des mit der Nummer 9 ausgestatteten Nickel Mittelstürmer spielt, großartige Duelle mit Vorstopper Vogts, die den Gladbacher regelmäßig als zweiten Sieger sehen. Grabowski hat in Klinkhammer eines jener erstaunlichen Talente gegen sich, die Gladbachs Trainer Weisweiler immer wieder aufbietet, und Nickel stellt gegen Kulik, der ebenso lauffreudig ist wie Danner, überraschenderweise nicht weniger als den Spielmacher dieser Partie. Zudem scheint der auswärts so groß auftrumpfende Rohrbach endlich seinen "Heimkomplex" abgelegt zu haben. Er wirbelt auf dem linken Flügel mit einer Unberechenbarkeit, dass sich die Gäste trotz ihrer klareren Torchancen nicht sicher fühlen können.


Grabowskis missglückter
Fallrückzieher vor dem 1:0 ...

Nach der Halbzeitpause setzt die Eintracht dann alles auf eine Karte und stürmt endgültig mit offenem Visier. Es dauert nur zwei Minuten, ehe dieses Risiko belohnt wird. Grabowski spielt steil zu Hölzenbein, der über Vogts den Ball nach innen zieht, wo Weidle das Leder von der Torauslinie zurück in den Strafraum köpft. Grabowski versucht trotz der Bewachung durch Klinkhammer einen Fallrückzieher, von den Beiden kommt der Ball zu Rohrbach, der aus halblinker Position direkt und mit unheimlicher Wucht abzieht. Unhaltbar für Kleff schlägt der Ball im langen Eck ein. Die Eintracht führt 1:0.

Über die Laufbereitschaft und die Zweikampfstärke hat die Eintracht den überlegenen Gegner Zentimeter um Zentimeter des Rasens im Waldstadion abgerungen, in die Knie gezwungen haben die Frankfurter die Gäste damit jedoch noch nicht. Der Treffer macht bei Weises Männern neue Kräfte frei, die sie auch benötigen, um ihren hohen Aufwand weiter betreiben zu können. Diese Partie zeigt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Eintracht auf. Nur ein Narr denkt, er hat endlos Kraft - und die der Eintracht geht langsam und sicher zur Neige.


... und das Tor

In den 20 Minuten nach dem Tor durch Rohrbach sind die Frankfurter allerdings eindeutig Herr im eigenen Haus. Die "Fohlenelf" hat Mühe bei diesem scharfen Ritt Schritt zu halten, andererseits bleibt selbst in dieser Phase nicht verborgen, dass die Züge der Frankfurter Offensive im Vergleich mit den durchdachten Mönchengladbacher Angriffen oft zufällig wirken. Im Zweifel ist die Eintracht eher auf die individuelle Stärke von Grabowski, Hölzenbein und Nickel angewiesen, als dass sie auf das präzise Zusammenspiel eines kompletten Ensembles vertrauen könnte.

Es ist Pech und Keeper Kleff, die gemeinsam bis zur Mitte der zweiten Halbzeit das zweite Tor der Gastgeber verhindern, doch in der Schlussphase der Partie geht bei der Eintracht und ihrem Anhang noch einmal das große Zittern los. Es ist ein Glück, dass Heynckes an Reichel nun überhaupt nicht mehr vorbei und der hakenschlagende Rupp gegen den diesmal unbeweglich wirkenden Kliemann nicht zum finalen Erfolg kommt. Auffälliger, wenn auch nicht erfolgreicher als die beiden, ist Kulik, der bei einem Slalomlauf übers halbe Spielfeld sein großes Talent andeutet. Berti Vogts hat sich bei einem Freistoß eine Verletzung zugezogen und hat neben der Bewachung von Hölzenbein am Ende nicht mehr die Kraft, seine Kollegen in der Offensive zu unterstützen.


Jensen und Kliemann

Was die Borussen bis dahin mit Eleganz, Spielwitz und gescheiten Pässen versucht haben, das probieren sie nun mit Gewalt. Die Frankfurter aber halten durch. Trinklein bügelt manchen Kliemann-Schnitzer aus, Körbel lässt Köppel weiterhin nicht zur Entfaltung kommen und Nickel belohnt die Geduld seines Trainers mit ihm durch unerhörten Abwehrfleiß. Dazu zeigt Dr. Kunter zwischen den Pfosten ein paar glänzende Reaktionen, wenn er auch ein- oder zweimal das Glück des Tüchtigen benötigt. Zuletzt hat die Eintracht die Borussen in der Bundesliga im Waldstadion deutlicher geschlagen, doch ein solches Spiel wie heute hätte sie in der vergangenen Saison wohl noch abgegeben. Keine Frage, die Eintracht ist in der Deckung stärker und kaltschnäuziger geworden.


Erschöpft, aber zufrieden:
Trinklein und Kliemann

Schusspfiff! Torschütze Thomas Rohrbach wirft sich rücklings mit ausgebreiteten Armen auf den Rasen, Körbel sitzt inmitten eines Spielergetümmels am Boden und schüttelt ungläubig den Kopf und Trinklein stolpert beim Verlassen des Stadions völlig erschöpft über seine langen Beine und muss sich an einem Gitter hochziehen. "So fertig war ich noch nie, und trotzdem hatte ich ein unbeschreibliches Glücksgefühl", erzählt er freudestrahlend.

"Seit wir diesen "Strafraumpfleger" haben, ist unsere Abwehr um 70 Prozent stabiler geworden", lobt Dr. Kunter über den mit 1,96 Meter längsten Bundesligaspieler Uwe Kliemann, der mit seiner Kopfballstärke die Schwächen des Keepers in der Strafraumbeherrschung ausgleicht: "Ich brauche jetzt fast gar nicht mehr aus dem Tor herauszulaufen. Der "Funkturm" fängt alles ab, was von oben kommt." Gegen den viel kleineren Rupp unterlag der "Strafraumpfleger" im Zweikampf allerdings wie eine berühmte biblische Gestalt, wie Weise es umschreibt: "Ich wusste, dass das Duell David gegen Goliath nicht gut für uns aussehen würde. Aber eine Umstellung hätte neue Schwierigkeiten mit sich gebracht." "Rupp steht unter dem Schutz des Schiedsrichters, weil er drei Köpfe kleiner ist als ich", sieht sich Kliemann im Nachteil.

"Wir haben bis zur Pause die klarsten Chancen vergeben. Das rächt sich immer", begründet Hennes Weisweiler die erste Niederlage seiner Elf. "Die große Unbekannte in diesem Spiel war für mich mein Kollege Dietrich Weise. Ich kenne jeden einzelnen Frankfurter Spieler mit seinen Stärken und Schwächen. Aber ich wusste nicht, wie sie unter ihrem neuen Coach Weise zusammenspielen würden. Sie taten es prächtig", stellt der Meistertrainer seinem einstigen Schüler Weise ein exzellentes Zeugnis aus und bleibt selbst ein fairer Verlierer: "Frankfurt war um das eine Tor besser."

"Wir haben gezeigt, dass wir mitreden können", ist Weise stolz, während Weisweiler mit seinem Angriff nicht zufrieden ist: "Nur Rupp befriedigte." Er nimmt aber auch seine Mannschaft in Schutz: "Zehn Stunden Flug, in Island ein Spiel auf schwerem Boden, das waren doch Strapazen." Die Islandreise soll aber keine Entschuldigung für die Niederlage sein, sagt Weisweiler. "Das hätte ich ihm auch nicht abgenommen", entgegnet Weise. "Meine Mannschaft hat wie erwartet gespielt und wir haben zu Recht gewonnen, auch wenn es knapp war", lobt der Eintrachttrainer Kraft und Moral seiner Mannschaft und stellt seinen Libero Trinklein heraus: "Was Taktik, Kampfkraft und Klugheit angeht, lieferte er heute sein bestes Spiel. Heute brauchte ich keine Abstriche zu machen, wie sonst schon öfters wegen Überheblichkeit."

Aus der unbeständigen Truppe ist in der Tat eine Mannschaft geworden, die aber in ihrer Kampfbereitschaft Gefahr läuft, sich selbst zu überdrehen. "Ja, davor habe ich ein bisschen Angst", bestätigt Weise diese Befürchtung: "Meine Spieler haben mehr gegeben, als man sogar von hochbezahlten Profis verlangen kann. Die meisten waren ausgelaugt wie ein Boxer in der 15. Runde, der mit letzter Kraft den verdienten Punktsieg über die Runden bringen will. Da treten Momente der Verkrampfung und Verzweiflung auf, da ist alle Eleganz weg." "Solcher über jedes Maß hinausgehende körperliche Einsatz lässt sich weder anordnen noch befehlen", sagt Weise, der einen anderen Weg geht. "Ohne Leistung sägt ihr euren Ast ab, nicht meinen als Trainer", hat er seinen Spielern mit auf den Weg gegeben: "Ich kann jederzeit wieder als Buchhalter anfangen."

"Körbel habe ich vor dem Spiel gesagt: Karl-Heinz, Sie müssen sich selbst, der Öffentlichkeit und mir beweisen, ob Sie Nationalspieler Köppel in seiner Wirkung wenigstens eindämmen können", berichtet der Fußballlehrer von seiner Arbeit als Psychologe: "Ich bin überzeugt, Sie können Köppel sogar ausschalten." Gelassen wie ihr Trainer spricht wird der Sieg dann auch gefeiert, zusammen mit Weise natürlich. Der Trainer schmunzelt: "Die Bierchen der einzelnen konnte ich zählen." (rs)

 


 

 

Spitzenspiel im Frankfurt

Der Aufschwung der Eintracht in den letzten Spielen schlägt sich an der Kasse nieder. Das heutige Heimspiel am 22. September ist mit 52.000 Zuschauern ausverkauft. Und dies zu recht. Zu Gast im Waldstadion ist die Fohlen-Elf vom Niederrhein, Borussia Mönchengladbach. Zwei technisch sehr beschlagene Mannschaften, die den Ball als Freund betrachten, treffen aufeinander - dies lässt ein gutes Spiel erwarten.

Der Tabellenführer aus Gladbach legt in der Anfangsphase auch los wie die sprichwörtliche Feuerwehr und versucht, der Eintracht sein schnelles Spiel aufzuzwingen. Insbesondere der flinke Kulik taucht immer wieder vor dem Kasten von Eintracht-Keeper Dr. Kunter auf und sorgt für Gefahr. Der“ fliegende „ Zahnarzt braucht in dieser Phase mehr als einmal Fortunas Hilfe, hält aber mit glänzenden Reaktionen seinen Kasten sauber.

Die Riederwälder lassen sich von der Gladbacher Anfangsoffensive allerdings nicht einschüchtern und halten dagegen. Diese Taktik ist richtig. Gerade vor dem Hintergrund das Gladbach unter der Woche eine strapaziöse Reise im Europapokal nach Island unternehmen musste, wird die Weisweiler-Elf dem hohen Anfangstempo noch Tribut zollen müssen. Zwar übersprintet der schnelle Jensen den antrittsschwachen Andree ein ums andere Mal, aber etwas Zählbares kommt für die Fohlen dabei nicht heraus.


Heynckes, Andree und Kunter

Nach der Halbzeit zunächst ein anderes Bild. Die Frankfurter übernehmen sofort die Initiative. Eine schöne Ballstafette über Grabi, der diesmal seinem Kettenhund Klinkhammer entkommt, und Dr. Hammer findet schließlich in Thomas Rohrbach einen dankbaren Abnehmer. Halbhoch schlägt das runde Leder zum 1:0 im linken Gladbacher Toreck ein. Keine Chance für „Otto“ Kleff. A la Bonheur. Rohrbach, der Schwarm der weiblichen Fans, hat wirklich eine ausgezeichnete Schusstechnik.

Der Führungstreffer der Eintracht unmittelbar nach der Pause scheint die Gladbacher zu lähmen. Mit ihren lautstarken Fans im Hintergrund zeigt die Frankfurter Mannschaft, was sie in den letzten Wochen so stark macht: Spielerische Raffinesse, schöne Kombinationen und ein enormer Zug aufs Tor.

Das Kräfteverhältnis zwischen Gast und Gastgeber lässt sich nun am Besten am Duell zwischen Hölzenbein und Vogts erklären: Ständig stellt Hölzenbein mit überlegener Technik und großer Schnelligkeit dem alten Haudegen Berti Vogts vor Fragen, die dieser nur mit großen Problemen beantworten kann. Wirklich eine sehr starke Phase der Männer vom Main. Leider gelingt es ihnen trotz zahlreicher Chancen nicht, die Führung auszubauen.

In den letzten zehn Minuten nimmt das Spiel wiederum eine andere Wendung. Gladbach wittert Morgenluft und setzt die zunehmend nervöser agierenden Hausherren spürbar unter Druck. Soll sich der fahrlässige Umgang mit den eigenen Torchancen wieder einmal rächen?

Immerhin stehen auf Gladbacher Seite mit Köppel, der zu Saisonbeginn von seinem zweijährigen Gastspiel beim VfB zurückkehrte, und Heynckes zwei torgefährliche Offensivspieler, die nach sieben Spieltagen bereits sieben bzw. neun Treffer auf ihrem Konto haben.

Zudem lässt Bernd Rupp mehr als einmal den langen Kliemann im Abwehrzentrum der Hausherren aussteigen. Gegen den das hakenschlagende Kraftpaket vom Bökelberg wirkt der "Funkturm„ heute merkwürdig indisponiert. Man merkt nun förmlich, wie der Eintracht die Angst im Nacken sitzt. Die Eintracht wackelt auch gewaltig - aber sie fällt nicht.

Allen voran Trinklein, der so manchen Schnitzer von Kliemann ausbügelt, der nimmermüde Körbel, aber auch Mittelfeldmann Nickel, der sich heute nicht zu fein ist, Kärrnerarbeit in der Abwehr zu verrichten, sind die Garanten für den doppelten Punktgewinn. Bernd Nickel hat heute das Vertrauen, das Trainer Weise in ihn gesetzt hat, zurückgezahlt.

Gladbach hatte hier nichts zu verschenken und erleidet am Ende doch die erste Saisonniederlage. Die Eintracht tritt dieses Jahr deutlich geschlossener und abgeklärter auf. Letzte Saison sind solche Spiele, die auf Messers Schneide standen, noch verloren worden. In dieser Form ist die Eintracht ein echter Titelanwärter, auch wenn die Mannschaft heute das Glück des Tüchtigen hatte. (uh)


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