21.01.2008 Besser spät als nie Nein, ich möchte mit diesem Beitrag hier nicht eine dieser unsäglichen Diskussionen „Kunde oder Fan?“ lostreten, ich möchte nur eine kleine Geschichte erzählen, mehr nicht. Es ist die Geschichte einer späten Berufung. Meinen guten Kumpel Ralph kenne ich seit der fünften Klasse, also seit nunmehr über 30 Jahren. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir in dieser langen Zeit gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen sind und viel erlebt haben. Wie das bei Freunden so ist, haben wir auf der einen Seite viele Gemeinsamkeiten, auf der anderen findet sich aber auch viel Trennendes.
Wie man sich leicht denken kann, hatten unsere unterschiedlichen Weltanschauungen natürlich immer wieder Frotzeleien zu Folge, bei welchen ich dank der überragenden Spielkunst unserer Schlappekicker oft den Kürzeren zog. Ist ja klar, was man sich da alles anhören darf; hämische Schmähungen nach jeder der nicht gerade seltenen Niederlagen sowie „Chaos-Verein“ im Allgemeinen. Nun gut, er wusste es ja nicht besser und bekam von mir dafür regelmäßig die gängigen Bayern-Klischees um die Ohren gehauen. Doch bereits in diesen Frotzeleien gab es meiner Ansicht nach einen gravierenden Unterschied zwischen uns, wie ich zu meiner Schande gestehen darf. Während meine Tiraden über die Bayern schon beinahe den Tatbestand einer abgrundtiefen Verachtung erfüllten, konnte man bei Ralph auch bei übler Eintracht-Beschimpfung immer einen Tonfall zwischen den Zeilen heraushören, der mir völlig abging: Respekt. Ja, Ralphi respektierte die Eintracht, zumindest war das mein Empfinden. Allerdings änderte dies freilich nicht das Geringste daran, dass er den Lederhosen huldigte. Die Zeiten, in denen ich glaubte, daran etwas ändern zu können, waren längst vorbei, da verschlimmerte sich die Situation plötzlich: Ralph pflanzte sich fort, und zwar in übelster Form: In kürzesten Abständen warf seine Gattin einen Knaben nach dem anderen, erst nach dem dritten war Schluss. Bester-Bayern-Nachwuchs, uuääärgh. Mein Patenkind: Bayern-Fan, Nnnaaaaiiiiinnn. Aber was sollte ich machen ohne direkten Zugriff? Schon streckte die weiß-blaue Knochenhand der Unaussprechlichen ihre Finger nach dem Bub aus, da tat der Fußballgott ein Wunder, man kann es nicht anders sagen. Und das kam so.
Bei unserem nächsten Treffen ein paar Tage später kommt er aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: „Also, du wirst es nicht glauben, die Stimmung im Stadion war der Hammer, so etwas habe ich noch nicht erlebt, absolut phantastisch“ und dergleichen sprudelt aus ihm heraus. Da ich selber ein Spiel mit toller Stimmung bei der WM in Frankfurt besucht habe, nämlich jenes zwischen Togo und Südkorea, war es nicht nur mein SGE-Ehrgefühl, sondern Sachkenntnis, die mich folgendes erwidern ließ: „Ja, die Stimmung bei der WM war ganz gut, sie ist aber nicht mit dem zu vergleichen, was dort abgeht, wenn die Eintracht spielt!“ Muss ich erwähnen, dass er mir das nicht glaubte? Es gab nur eine Möglichkeit, den Beweis anzutreten: Ralph musste sich ein Heimspiel der Eintracht ansehen. Am 17. September 2006 war es soweit, ich schleppte Ralph zum Spiel der Eintracht gegen Bayer Leverkusen. Mit den Folgen, die dieses Erlebnis haben sollte, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Als wäre ein 3:1-Sieg nicht schon Mirakel genug, so geschah an diesem Tag noch ein echtes Wunder: Ralph verließ das Stadion als - Eintracht-Fan!
Was bleibt als Fazit? Mein bester Kumpel, der über 40 Jahre ein Anhänger von Bayern München war, ist binnen kürzester Zeit quasi von heute auf morgen zum mitfiebernden Eintracht-Fan geworden, der im Stadion mit Trikot und Schal inbrünstig „Im Herzen von Europa“ mitsingt. Und zwei seiner Söhne gleich mit. Für mich nach wie vor schier unglaublich. Wenn ihr mich fragt – ich hätte den Adler
in Gold verdient. Grabi65 hört im richtigen Leben auf den Namen
Frank und lebt in Wiesbaden. |
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