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Turbine Potsdam - 1. FFC
Frankfurt |
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Bundesliga 2012/2013 - 4. Spieltag
1:2 (0:0)
Termin: 30.09.2012, 14:00 Uhr
Zuschauer: 4.120
Schiedsrichter: Riem Hussein (Bad Harzburg)
Tore: 0:1 Garefrekes (59.), 1:1 Nagasato (71.), 1;2 Bajramaj (90.)
Turbine Potsdam |
1. FFC Frankfurt |
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Bajramaj trifft und leidet Der 1. FFC Frankfurt gewinnt das Spitzenspiel bei Turbine Potsdam mit 2:1. In der Schlussphase überschlagen sich die Ereignisse: Zwei Spielerinnen von Potsdam müssen in die Notaufnahme. FFC-Siegtorschützin Lira Bajramaj muss mit Verdacht auf Kreuzbandriss vom Feld. Blutende Köpfe und 13 Minuten Nachspielzeit: Der 1. FFC Frankfurt hat ein turbulentes, aber hochklassiges Spitzenspiel der Frauenfußball-Bundesliga gegen Turbine Potsdam für sich entschieden. Am 4. Spieltag gewannen die Hessinnen das Prestigeduell beim Meister mit 2:1 (0:0) und übernahmen mit neun Punkten die Tabellenführung vor Potsdam mit sechs Zählern. Vor 4.120 Zuschauern im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion brachte Kerstin Garefrekes (59. Minute) die Frankfurterinnen in Führung, ehe Yuki Ogimi (71.) für die Gastgeberinnen ausglich. Auf der Tribüne saß auch Bundestrainerin Silvia Neid, die das Stadion jedoch vorzeitig verließ und so die turbulente Schlussphase verpasste. In der 89. Minute prallten zunächst die Potsdamerinnen Singer und Mirlach während eines Frankfurter Angriffs mit den Köpfen zusammen und wurden nach minutenlanger Behandlung blutend vom Platz getragen. Beide Spielerinnen wurden nach der Partie in die Notaufnahme gebracht, wie der Verein bestätigte. In der sechsten Minute der Nachspielzeit erzielte Fatmire Bajramaj dann in Überzahl den Siegtreffer. Kurz darauf wurde die Nationalspielerin jedoch von Tabea Kemme gefoult und musste mit Verdacht auf Kreuzbandriss ebenfalls vom Feld getragen werden. Insgesamt ließ Schiedsrichterin Riem Hussein 13 Minuten nachspielen. (FR Online vom 30.09.2012)
Bajramaj fällt sechs Monate aus Drei schwere Verletzungen überschatten das Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga - und vergiften das Klima zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt. Am Montag Nachmittag wird klar: Der FFC muss lange auf Fatmire Bajramaj verzichten. Nach dem Spiel standen sich die ewigen Rivalen auf dem Rasen gegenüber. Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder fuchtelte wild mit den Armen um sich. Der 70-Jährige bebte vor Zorn. Der untersetzte Siegfried Dietrich wiederum gestikulierte fast ebenso wild. Er hatte einen Trommelschlägel in der Hand, den einer der erbosten Potsdamer Zuschauer nach ihm geworfen hatte. Grund der allgemeinen Erregung war das Zustandekommen des entscheidenden Treffers von Fatmire Bajramaj in der Nachspielzeit zum 2:1 (0:0)-Auswärtssieg der Frankfurterinnen. Eigentlich hatte sich in den letzten Jahren das angespannte Verhältnis zwischen den beiden erfolgreichsten Klubs im deutschen Frauenfußball und ihren großen Machern etwas normalisiert. Schröder, der das Einkaufsgebaren der Frankfurter stets moralisch gegeißelt hatte, schien sich mit dem steten Abgang seiner Spielerinnen in Richtung Mainmetropole abgefunden zu haben. Am Sonntag wurde jedoch mit großer Vehemenz eine Moraldebatte ausgefochten, die nachhaltige Spuren hinterlassen dürfte. Schröder sagte: „Ich befürchte, dass jetzt eine überdimensionale Feindschaft zwischen den beiden Vereinen entsteht.“ Turbine Potsdam gerierte sich als Ankläger, der 1. FFC Frankfurt war in die Verteidigungsrolle gedrängt. Doch ganz so einfach war die Sache nicht. Nach Toren von Kerstin Garefrekes (59.) und Yuki Ogimi (71.) stand es 1:1, als die Potsdamerinnen Alexandra Singer und Stefanie Mirlach in der 89. Minute mit ihren Köpfen so heftig zusammenprallten, dass beide regungslos am Boden liegen blieben. Singer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und Mirlach eine schwere Gehirnerschütterung. Beide konnten erst nach mehreren Behandlungsminuten vom Feld getragen werden. Im mit 4120 Zuschauern sehr gut besuchten Karl-Liebknecht-Stadion herrschte Friedhofsstille. Als Schiedsrichterin Riem Hussein die Partie wieder anpfiff und fünf Minuten Nachspielzeit anzeigte, mussten die Potsdamerinnen zu neunt verteidigen, weil sie ihr Auswechselkontingent ausgeschöpft hatten. Fatmire Bajramaj indes nutzte die erste Gelegenheit zum entscheidenden Tor. In der Erregung der Potsdamer Anhängerschaft ging jedoch unter, dass sich auch die Gastgeber kurz darauf unrühmlich verhielten. Spielführerin Tabea Kemme senste nämlich nach dem 2:1 die Torschützin Bajramaj im Mittelfeld vorsätzlich um, so dass auch diese verletzt vom Platz getragen wurde. Es besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Die Potsdamer Zuschauer begleiteten ihre einstige Lieblingsspielerin beim Abtransport vom Rasen mit viel Häme – die Atmosphäre war vergiftet. Und Kemme sah für ihr Foul nicht mal die Gelbe Karte. Die Pressekonferenz glich für Trainer Philipp Dahm, der erst zum zweiten Mal die Verantwortung beim 1. FFC Frankfurt trug, einem Spießrutenlaufen. In mehreren Variationen wurde an ihn die Frage gerichtet, warum er seinen Spielerinnen nicht ein Angriffsverbot erteilt hätte. Der 33-Jährige fühlte sich sichtlich unwohl: „Ich lasse mir daraus keinen Vorwurf machen und keinen Strick drehen, dass wir weitergespielt haben.“ Auch Manager Dietrich wich einer moralischen Bewertung des Frankfurter Verhaltens aus. Er hielt fest: „Es ist alles regelkonform gelaufen.“ Letztlich war der Imageschaden auf beiden Seiten groß. Möglicherweise war das kompromisslose Gewinnstreben der Frankfurterinnen auch ein Beweis dafür, unter welch immensen Druck das Team derzeit steht. Gerade Fatmire Bajramaj, die wieder einmal erst zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde, nutzte am zielstrebigsten die Chance zum Erfolg. Und für Bundesliganeuling Dahm steht seine Weiterbeschäftigung auf dem Spiel. (FR Online vom 01.10.2012)
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