SGS Essen - 1. FFC Frankfurt

Bundesliga 2012/2013 - 2. Spieltag

3:1 (1:0)

Termin: 09.09.2012, 14:00 Uhr
Zuschauer: 1.150
Schiedsrichter: Sandra Stolz (Pritzwalk)
Tore: 1:0 Hoffmann (26.), 1:1 Behringer (58., Elfmeter), 2:1 Hoffmann (61.), 3:1 Hartmann (72.)

 

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SGS Essen
1. FFC Frankfurt

  • Lisa Weiß
  • Kat Tarr
  • Sabrina Dörpinghaus
  • Vanessa Martini
  • Irini Ioannidou
  • Carole Costa
  • Melanie Hoffmann
  • Ana Leite
  • Linda Dallmann
  • Ina Lehmann
  • Charline Hartmann

 


  • Nadine Angerer
  • Sara Thunebro
  • Babett Peter
  • Bianca Schmidt
  • Melanie Behringer
  • Kim Kulig
  • Simone Laudehr
  • Meike Weber
  • Kerstin Garefrekes
  • Fatmire Bajramaj
  • Sandrine Brétigny

 

Wechsel
  • Hamann für Leite (46.)
  • Meißner für Ioannidou (70.)
  • Wolf für Hartmann (88.)
Wechsel
  • Huth für Behringer (70.)
  • Wich für Thunebro (70.)
  • Smisek für Laudehr (76.)
Trainer
  • Markus Högner
Trainer
  • Sven Kahlert

 

Pech, Unvermögen und Nervosität

Die Frauen des 1. FFC Frankfurt bescheren Essen einen unerwarteten Fußball-Bundesliga-Sieg am zweiten Spieltag. An der spielerischen Leistung seines Teams hat FFC-Trainer Kahlert nichts auszusetzen - wohl aber an der Chancenauswertung.

Der ratlose Blick von Fatmire Bajramaj wurde nur von gelegentlichem Kopfschütteln unterbrochen. Der Nationalspielerin des 1. FFC Frankfurt war es unbegreiflich, wie sie das Gastspiel bei der SGS Essen am zweiten Spieltag der Frauen-Bundesliga mit 1:3 (0:1) verlieren konnte. Der Essener Trainer Markus Högner lieferte die Antwort: „Wir waren heute einfach effizienter.“

Während die Spielerinnen des 1. FFC ein Dutzend Möglichkeiten ausließen, machten die kompakt stehenden und leidenschaftlich kämpfenden Hausherrinnen aus fünf Chancen drei Tore. So konnten die 1152 Zuschauer im nagelneuen Essener Stadion, das sich die Frauen mit Rot-Weiß Essen teilen, den ersten Sieg der Vereinsgeschichte über den 1. FFC bestaunen.

Entgangen war den Zuschauern aber auch nicht, dass die Frankfurterinnen „spielerisch haushoch überlegen waren“, wie die zweifache Torschützin Melanie Hoffmann zugab. „Unsere Teamleistung heute war absoluter Wahnsinn“, ergänzte Hoffmann.

FFC-Trainer Sven Kahlert hatte am weitgehend druckvollen und engagierten Offensivspiel seines Teams dann auch nichts auszusetzen. Beunruhigend sei vielmehr, dass die Zielstrebigkeit fehle und man Chancen fahrlässig liegenlasse: „Ich kann die Tore leider nicht selbst schießen, aber wir brauchen einfach die Geilheit und Übersicht vorm Tor, damit im entscheidenden Moment keine Ungenauigkeiten passieren.“

Trotz besserer Einzelspielerinnen fehlten dem 1. FFC, bei dem Simone Laudehr erstmals in der Startelf stand, oft die zündende Idee und die kreativen Mittel in der Offensive. Ähnlich wie in der vergangenen Saison regierten Pech, Unvermögen, Ungenauigkeit und Nervosität vorm Tor. So ließ die französische Stürmerin Sandrine Brétigny drei hundertprozentige Chancen liegen, während Bajramaj die Kugel allein vor dem Tor gegen die Latte jagte.

Wie man es besser macht, zeigte Hoffmann in der 27. Minute mit einem sehenswerten Freistoßtreffer, dem sie in der zweiten Hälfte ihr zweites Tor folgen ließ (61.). Kurz zuvor hatte Melanie Behringer per Handelfmeter den Ausgleich erzielt, bevor Charline Hartmann einen verunglückten Rückpass von Babett Peter zum 3:1-Endstand nutzte (71.). (FR Online vom 09.09.2012)

 

1. FFC Frankfurt zieht die Notbremse

Nach zwei Spieltagen muss Trainer Sven Kahlert beim 1. FFC Frankfurt gehen. "Wir mussten ein Zeichen setzen", begründet Manager Siegfried Dietrich den Rauswurf des Trainers. Übergangsweise soll ein Duo dem FFC weiterhelfen.

Siegfried Dietrich hat in seiner Doppelfunktion als Manager und Investor des 1. FFC Frankfurt die Reißleine gezogen. Der Strippenzieher beim Frauenfußball-Bundesligisten ließ erst gar keinen Zweifel, dass die am Mittwoch verkündete Trennung von Trainer Sven Kahlert ganz ursächlich auf ihn zurückgeht. „Es gab genügend Anzeichen für mich, dass etwas nicht stimmt“, berichtete der 55-Jährige nach „zwei sehr kurzen Nächten“. Die Niederlage am Sonntag bei der SGS Essen, ein Abziehbild der Versäumnisse der vergangenen Saison, hatte Dietrich in Alarmstimmung versetzt. Er sprach rückblickend von einem „leichten Schwelbrand.“

Offenkundig hat der glücklose Kahlert, der selbst für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, dem erhöhten Druck nicht standhalten können, der in dieser Saison auf dem 1. FFC Frankfurt lastet. Nach zwei verlorenen Endspielen in DFB-Pokal und Champions League sowie dem Verpassen der Königsklasse sollen die Hessen den Meistertitel holen, deshalb hat Dietrich in Simone Laudehr, Babett Peter und Bianca Schmidt drei weitere Nationalspielerinnen ans Brentanobad gelotst und in Sandrine Bretigny auch die erwünschte Torjägerin verpflichtet. Doch Kahlert schien es nicht zu schaffen, dieses Potenzial zu entfalten.

Sein Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen: Der bisherige Co- und Athletik-Trainer Philipp Dahm wird zunächst als Interimscoach fungieren, Kai Rennich bleibe der Assistent. Der von Kahlert nach Frankfurt gebrachte Dahm ist Diplom-Sportwissenschaftler und verdingte sich zuvor bei Darmstadt 98 (2005 bis 2008) sowie dem FSV Mainz 05 (2009/2010) recht erfolgreich als Junioren-Coach. Dietrich mag nicht ausschließen, dass aus der Übergangslösung auch eine Dauerlösung wird und erinnerte an das Beispiel von Thomas Tuchel beim Männer-Bundesligisten Mainz 05. Der 33-jährige Dahm erhielt auch deshalb Dietrichs Vertrauen, weil „man mit einer Fremdlösung auch sehr viel kaputt machen kann, gerade im Frauenfußball ist auf dieser Position sehr viel Sensibilität gefragt.“ (FR Online vom 12.09.2012)

 

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