Keine Stümer! Läufertore entschieden
Erst Eintracht-Angriffe, dann „Bayern"-Wirbel
In der ersten Viertelstunde schien die Eintracht mit
ihrer Gepflogenheit, am Bornheimer Hang die schwächsten und die unglücklichsten
Partien zu liefern, brechen zu wollen. Mit einem bei den „Adlerträgern"
nicht immer zu sehenden Elan legten sie los und berannten das Bayerntor
fast ohne Unterbrechung.
Schieth war in bester Spiellaune und gab dem etwas füllig gewordenen
Bayerer manche Rätsel auf. Pfaff wirkte wesentlich frischer als in
den letzten Spielen und der rechte Flügel Lemm-Reichert schlug der
Bayern-Deckung ein Schnippchen ums andere. Mit aller Mühe verhinderten
Moll und Streitle kraft ihrer Routine die Torerfolge der Frankfurter Stürmer.
Erst ein Schuß aus dem Hinterhalt des linken Eintracht-Läufers
Krömmelbein, bei dem Schmalzl im Bayern-Tor nicht reaktionsschnell
genug gewesen war, und der halbhoch in die Torecke einschlug, brachte
die Eintracht in Führung.
Auch in der weiteren Folge blieb München in der
Hauptsache auf die Abwehr beschränkt. Aber der Druck der Frankfurter
war schon jetzt nicht mehr so stark wie vorher. Die Schwäche des
Eintracht-Angriffs wurde offenbar: Heilig ist bei allem guten Willen und
letzter Einsatzbereitschaft nun einmal kein Linksaußen, und als
Schieth nicht zum Erfolg kam, ließ er wieder - wie schon oft - resignierend
nach, verfolgte Bälle, die ihm nicht zentimetergenau zugespielt wurden,
ohne Lust und Laune und versuchte schließlich erfolglos, sich Bayerer,
der sich immer besser auf ihn einstellte, durch dauernde Platzwechsel
zu irritieren.
Auf
der Gegenseite zeichnete sich langsam das Bild des Kommenden ab. Hans
Maier und Bachl rackerten unermüdlich im Mittelfeld, standen immer
richtig und spielten überlegt und mit technischer Fertigkeit ihre
Nebenleute frei. So bekam die Verteidigung der „Rothosen" Luft,
wenn auch die Eintracht bis zur Pause überlegen blieb. Nach dem Wechsel
spielten dann zunächst nur die Bayern. Sie schnürten die Frankfurter
immer mehr ein, aber auch ihr Angriff verstand es nicht, klare Schußgelegenheiten
zu schaffen und die wenigen vorhandenen auszunutzen. Bachl blieb auch
in dieser Periode der stärkste Münchner Stürmer. Der auch
nicht schlechte Metz wurde im letzten Moment immer von Giller am Schuß
gehindert. Hädelt riskierte wenig auf eigene Faust. Er ist nicht
mehr der rasante, spurtschnelle und vor dem Tor so gefährliche Außenstürmer
des Vorjahres. Der linke Flügel Scholz-Schweiger hatte es gegen Kudras
und den wieder ausgezeichnet verteidigenden Kaster am schwersten, auch
wenn dem neuen Mann Schweiger zunächst einiges gegen Kaster gelang.
Die
Ueberlegenheit der Bayern wurde immer drückender. Kein Abschlag der
Frankfurter Deckung blieb länger als zwei Sekunden weg, dann war
er wieder im Eintracht-Strafraum. Und dennoch dauerte es bis zur 68. Minute,
ehe der Ausgleich fiel, und zwar auf eine Weise, die noch weniger zwingend
war als der Eintracht-Treffer. Hans Maier gab eine weite Schrägvorlage
vor das Eintrachttor. Sie passierte eine ganze Reihe von sich vergeblich
nach dem Ball streckenden Bayern- und Eintracht-Beinen und schließlich
fing sie sich im unteren Winkel des Eintracht-Tores. Nun waren die Frankfurter
plötzlich wieder da. Das Spiel, das insgesamt auch eins der schönsten,
spannendsten und saubersten war, die wir in dieser Saison sahen, nahm
an Dramatik zu. Die Frankfurter wußten mit ein paar klaren Chancen
nichts anzufangen.
Schiedsrichter Eberle (Stuttgart) leitete sehr großzügig,
was wir gern sehen, wenn es am Platz ist. Bei diesen beiden Vertretern
vorbildlicher Fußball-Ritterlichkeit war seine Großzügigkeit
durchaus angebracht. (aus dem 'Sport-Magazin' vom 08.03.1950)
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