'Licher Hessen Cup 2011'

in Frankfurt

 

Sonntag, 02.01.2011

in der Ballsporthalle, Höchst

5.000 Zuschauer

VfL Bochum
FC St. Pauli Kickers Oxxenbach SpVgg Greuther Fürth
Eintracht Frankfurt
FC Schalke 04

 

Team: Andreas Rössl, Aykut Özer, Sebastian Jung, Kevin Kraus, Ricardo Clark, Caio, Sonny Kittel, Ümit Korkmaz, Marcel Titsch-Rivero, Marcel Heller, Halil Altintop, Martin Fenin, Marcos Alvarez, Cenk Tosun

Trainer: Edwin Boekamp, Andreas Menger

 

 

Gruppe A

  • VfL Bochum - SpVgg Greuther Fürth 2:2
  • Eintracht Frankfurt - SpVgg Greuther Fürth 1:2
    0:1, 1:1 Sonny Kittel, 1:2

 

    Tore Punkte
1.
SpVgg Greuther Fürth 4:3 4
2.
VfL Bochum 4:4 2
3.
Eintracht Frankfurt 3:4 1

 


Gruppe B

  • FC St.. Pauli - Kickers Oxxenbach 5:3
  • FC St. Pauli - FC Schalke 04 2:2
  • Kickers Oxxenbach - FC Schalke 04 3:2

 

    Tore Punkte
1.
FC St.. Pauli 7:5 4
2.
Kickers Oxxenbach 6:7 3
3.
FC Schalke 04 4:5 1

 

Halbfinale

  • SpVgg Greuther Fürth - Kickers Oxxenbach 6:5 n.N
  • FC St.. Pauli - VfL Bochum 0:1

 

Spiel um Platz 3

  • FC St.. Pauli - Kickers Oxxenbach 2:0

 

Finale

  • SpVgg Greuther Fürth - VfL Bochum 1:4

 

Lustlos in der Ballsporthalle

Einen Tag vor der Abreise zum einwöchigen Trainingslager im türkischen Belek startet die Eintracht die Vorbereitung auf die Rückrunde mit einem Vormittagstraining im Waldstadion. Es ist eine überschaubare Truppe, die sich einfindet. Denn neben den verletzten Chris, Russ und Franz fehlen auch Steinhöfer, der sich in München an der Ferse untersuchen lässt sowie Gekas, der seinen Flug nach Frankfurt verpasst hatte. Ochs und Köhler schonen sich noch ein wenig und traben nur am Rande mit. Dafür ist zur Überraschung aller Oka Nikolov nach seiner Sehnenverletzung wieder voll im Training und auch Nikola Petkovic trainiert nach Beendigung seines Russlandabenteuers wieder mit der Mannschaft, auch wenn er in den Planungen von Michael Skibbe wohl keine Rolle mehr spielt.

Eine besondere Rolle nimmt für den Trainer scheinbar auch nicht das 33. Hallenfußballturnier in der Ballsporthalle ein, dass einmal mehr mit viel Herzblut von "Schoppe-Gert" Trinklein organisiert wird. Denn Michael Skibbe zieht es vor, zeitgleich mit dem Turnierbeginn auch nachmittags im Waldstadion zu trainieren und nur eine um Jung und Altintop verstärkte "zweite Garde" am früher "Budenzauber" genannten Hallenkick teilnehmen zu lassen. Schonungslos trocken rechtfertigt Co-Trainer Boekamp diese Maßnahme: "Da muss man mal die Kirche im Dorf lassen. In zwei Wochen geht die Bundesliga wieder los, das hat absolute Priorität. An dieses Turnier hier erinnert sich doch in einer Woche kein Mensch mehr." Ob dies auch für die 5000 zahlenden Zuschauer in der Ballsporthalle gilt, ist fraglich. Zumindest ein Erscheinen der Stars und des Cheftrainers auf den Rängen hätten der Stimmung sicher gut getan, meint auch Gert Trinklein: "Ich habe keine Chance gehabt, die Gründe herauszufinden, warum Skibbe nicht da war. Darüber wird man reden müssen, auch mit Heribert Bruchhagen."

So übernimmt der Co-Trainer zusammen mit Torwarttrainer Menger die Leitung hinter der Bande und schickt zunächst Jung, Altintop, Korkmaz und Alvarez sowie Torhüter Rössl auf den Kunstrasen. Gegner ist der Tabellenachte der Zweiten Liga, der von Friedhelm Funkel trainierte VfL Bochum. Und es geht schnell los, Saglik wagt ein Tänzchen mit Jung, um den Ball auf die linke Seite zu Kopplin zu spielen, der einfach abzieht und Torhüter Rössl tunnelt. So steht es bereits nach 17 Sekunden 1:0 für den Zweitligisten.

Die Eintracht bemüht sich sofort um den Ausgleich, doch es fehlt ein wenig der Zug und das in der Halle so wichtige schnelle Abspiel. Altintop probiert sich ebenso erfolglos mit Einzelaktionen wie kurz darauf Fenin und Caio, die nun mit Clark und Titsch-Rivero auf dem Platz stehen. Dann die 6. Spielminute, im schnellen Zusammenspiel mit Prokoph zieht Rzatkowski in den Neunmeterraum, bekommt den Bandenpass und schießt in die kurze Ecke. Torhüter Rössl kann parieren, doch im Nachschuss versenkt der 20-Jährige das Leder im linken Toreck. Zum 2:0 für Bochum, mit dem es in die kurze Halbzeit geht, auch wenn Tosun und Heller, die in der Schlussphase mit Kraus und Kittel das "dritte Team" bilden, für ein wenig mehr Druck in dem bislang aus Frankfurter Sicht enttäuschenden Hallenkick sorgen können.

Auch in der zweiten Halbzeit ist der VfL zunächst das aktivere Team mit den besseren Chancen, während sich Caio (13.) und Clark (14.) vergeblich darum bemühen, den Anschlusstreffer zu erzielen. Dann die 16. Spielminute, endlich einmal setzt sich die Eintracht mit Caio und Clark in der Hälfte der Bochumer fest. Fenin prüft von der rechten Seite Torhüter Esser, der parieren kann, aber der Ball kommt zu Titsch-Rivero, der erneut für Fenin auflegt. Diesmal behält der 23-jährige Tscheche die Übersicht und schiebt den Ball von der rechten Seite flach ins linke Toreck zum 1:2-Anschlußtreffer.

Die Eintracht erhöht nun den Druck, doch immer wieder verzetteln sich Altintop und Caio in sinnlose Einzelaktionen, während der Zweitligist hinten dicht macht, um auf schnelle Gegenstöße zu lauern. Aber Torhüter Rössl und Clark, der gegen Azaouagh auf der Torlinie abwehren kann (19.), halten die Adler im Spiel. Es läuft die letzte Spielminute, auf dem Rasen stehen Heller, Tosun, Kittel und Kraus für die Frankfurter, während Fabian gerade die Chance zur 3:1-Führung versiebt. Der letzte Angriff läuft über Kraus, der sich den Ball in der eigenen Hälfte holt und nach vorne sprintet, um quer auf Heller zu legen. Der behält die Übersicht und zimmert das Leder sieben Sekunden vor Schluss aus elf Metern in den linken Torwinkel zum 2:2-Ausgleich. "Wir haben über weite Strecken das Spiel dominiert. Die Bochumer haben sehr defensiv gestanden, aber zum Glück haben wir das 0:2 noch aufgeholt", meint der Co-Trainer nach dem Spiel mit seiner recht exklusiven Sichtweise.

Im zweiten Spiel der Vorrunde trifft die Eintracht auf den Tabellensechsten der zweiten Liga, die SpVgg Greuther Fürth, die sich in ihrem ersten Gruppenspiel ebenfalls 2:2 von Bochum getrennt hat, so dass beide Teams einen Sieg brauchen, um ins Halbfinale zu gelangen. Erneut startet die Eintracht mit Jung, Altintop, Korkmaz und Alvarez im diesmal von Özer gehüteten Kasten. Doch bis auf einen wuchtigen Freistoß von Altintop ist es der Zweitligist, der das Spiel bestimmt und dem U19-Torhüter, der am Neujahrstag seinen achtzehnten Geburtstag feierte, viel Arbeit beschert.

In der 8. Minute ist es schließlich soweit, Klaus setzt sich auf der rechten Seite gegen Kevin Kraus durch, um einen Bandenpass zum völlig freistehenden Falkenberg zu spielen, der die Kugel aus sieben Metern unhaltbar für Özer ins Netz zimmert. Aber in der letzten Spielminute schlägt die Eintracht zurück. Nach einem schönen Bandenpass von Altintop kommt Kittel im Neunmeterraum an den Ball und haut ihn unhaltbar für Torhüter Fejzik zum 1:1 in die Maschen.

In der zweiten Halbzeit bleibt der Zweitligist mit viel Kampf und teilweise überhartem Einsatz spielbestimmend, so dass Özer ein ums andere Mal eingreifen muss. Müller beißt sich kurz darauf an der linken Bandenseite mit Clark fest, um den Ball zurück auf Schahin zu passen. Der sieht in der Mitte den freistehenden Karaszlarov, der die Kugel prompt bekommt und sie flach ins linke Toreck haut. Zur 2:1-Führung für Greuther-Fürth (15.).

Der Zweitligist zieht sich nun in die eigene Hälfte zurück und beschränkt sich darauf, das Spiel zu zerstören. Erst drei Minuten vor dem Ende besinnt sich die Eintracht und drängt mit Macht auf den Ausgleich. Doch der Zweitligist hält mit aller Härte dagegen, so dass Klaus nach einem Bandencheck an Tosun eine Zweiminuten-Zeitstrafe erhält und die Adler nun mit einem Mann mehr spielen. "Diese Überzahl haben wir ganz schlecht ausgespielt", meint hinterher Eddy Boekamp, der verzweifelt versucht, auszuwechseln, um einen offensiven Spieler mehr aufs Feld zu bringen.

Doch im Lärm der Halle geht dies unter, während Kittel und Heller die Bälle überhastet auf den Kasten dreschen und sich Korkmaz allzu oft an der Bande verzettelt. Währenddessen wird Jung nach einem Tritt seines Gegenspielers hinter der Bande am Fuß behandelt und motzt über die Härte des Zweitligisten: "Da wurde von draußen von der Auswechselbank gerufen, ‘Haut den um, tritt ihn um‘, das hatte mit Spaß in der Halle nichts zu tun. Das war doch ein Gemetzel, das war kein Fußball." Mitten im "Gemetzel" zieht schließlich Kraus von hinten ab, doch Torhüter Fejzik kann den Schuss ins rechte Toreck glänzend parieren und auch im Nachfassen vor Heller retten (19.). In den letzten Sekunden wird es noch hektischer, nach einem Foul von Schröck an Altintop, den der 30-jährige Türke wutentbrannt wegschubst, gibt es für beide eine Zeitstrafe, doch die Zeit verrinnt und kurz darauf ist Schluss.

Mit einem 1:2 verabschiedet sich die Eintracht sang- und klanglos aus der Ballsporthalle und nicht nur die Zuschauer, auch Co-Trainer Boekamp ist bedient: "Wir wollten zwar weiterkommen, aber da spricht in ein paar Tagen niemand mehr drüber. Die Jungs haben eine Menge einstecken müssen, das war kein Spaß-Hallenturnier mehr. Zum Glück sind von uns alle heil aus der Nummer rausgekommen."

Auch wenn es wohl nur eine Randnotiz zu sein scheint: Das Hallenturnier gewonnen hat der VfL Bochum mit einem 4:1 gegen Greuther Fürth, Dritter wurde St. Pauli mit einem 2:1-Sieg gegen den Drittligisten von der anderen Mainseite. (tr)

 

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