Maccabi Haifa - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1998/1999

1:2 (0:0)

Termin: 26.07.1998 in Zirl (Österreich)
Zuschauer: 300
Schiedsrichter:
Tore: 0:1 Elkayam (67., Eigentor), 0:2 Christoph Westerthaler (68.), 1:2 Vilner (85.)

 

 

>> Spielbericht <<

Maccabi Haifa Eintracht Frankfurt

     

 

1. Halbzeit

 

Wechsel

2. Halbzeit

Trainer

Trainer

 

 

Zwei Halbzeiten, zwei Wahrheiten über Urs Güntensperger…

150 Jahre Bürgermusikverein Seefeld, ein Grund lautstark zu feiern, was Horst Ehrmantraut so gar nicht behagt, zumal das Festzelt sich in unmittelbarer Nähe des Hotels befindet, in dem die Eintracht nächtigt. Immerhin hat Chen Yang auf diese Weise ein neues deutsches Wort von Alexander Schur beigebracht bekommen: “Dicke-Backen-Musik“.

"So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gehört", lässt er seinen Dolmetscher Wang erzählen und bestätigt, wie hart das Trainingslager bisher ist: "Ich fühle mich schon ziemlich mitgenommen, weil hier in Europa alles viel präziser und professioneller ist." Tagsüber absolvieren sie zum Teil drei Einheiten am Tag. Ausdauerübungen wechseln ab mit Gymnastik, Zirkeltraining mit Übungen zur Zweikampfschulung. Vor allem das Umschalten von Abwehr auf Angriff will der Trainer verbessern, weil sie in der nahenden Saison wohl mehr aus der Defensive spielen werden als noch im Unterhaus.

Dies wohl ohne Amstätter, der dennoch als weiterer Spieler zum 23-köpfigen Kader dazu gestoßen ist, denn über seinen Rechtsanwalt ließ er eine “einstweilige Verfügung“ gegen seine Abschiebung zur Amateurmannschaft erwirken. Was Präsident Heller, der sofort Widerspruch einlegt, sehr verärgert, zumal sein Intimfreund Bernd Reisig Berater des 20-Jährigen ist: "Wenn der Widerspruch durch ist, fährt Amstätter sofort wieder heim. Ansonsten werden wir eine harte Linie einschlagen. Er kann ohne Ablöse gehen, Abfindungen oder aber die Übernahme des Gehaltes für einen anderen Verein wird es mit mir aber nicht geben." Tatsächlich wird Amstätter nicht wechseln und unter Ehrmantrauts Nachfolger Fanz sogar zu zwei Einsätzen kommen, bevor er in der kommenden Spielzeit nach Uerdingen wechselt…

Zurück nach Tirol, wo die Eintracht kurzfristig ein weiteres Testspiel vereinbaren konnte, denn der israelische Pokalsieger und Vorjahresvierte der ersten Liga absolviert ebenfalls ein Trainingslager in den Bergen. So fährt der Eintracht-Tross nach zwei harten Trainingseinheiten am Abend in die zehn Kilometer entfernte Marktgemeinde Zirl, um gegen Maccabi Haifa anzutreten. Eine willkommene Gelegenheit für Horst Ehrmantraut, fast seinen gesamten Kader zu testen und da Silva Gelegenheit zu geben, sich einmal auf der linken Außenbahn zu beweisen.

Nach vorne sieht dies auch recht ansehnlich aus, doch in der Rückwärtsbewegung unterlaufen dem 20-Jährigen einige Stellungsfehler, was den Trainer ebenso wenig erfreut wie die Vorstellung von Kutschera, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hat. Gleich dreimal schafft es ein Maccabi-Spieler, fast alleine auf Torhüter Petry zuzulaufen, der jedoch jeweils glänzend parieren kann. Es ist kein Elan im Frankfurter Spiel, die Abwehr und auch das Mittelfeld zeigt ungeahnte Abwehrschwächen und nach vorne läuft überhaupt nichts: "Das schnelle Spiel in die Tiefe hat völlig gefehlt", mäkelt Horst Ehrmantraut daher. Allein Gerster zeigt gute Ansätze, wohingegen Stojak im Sturm maßlos enttäuscht und enorme Probleme bei der Ballannahme offenbart. So kann lediglich Sobotzik mit einem Freistoß aus 22 Metern, der knapp am Tor vorbei geht, für ein wenig Gefahr sorgen.

Zum zweiten Abschnitt tauscht der Trainer bis auf Torhüter Petry und Flick die gesamte Truppe aus, die sich sogleich viel aggressiver, engagierter und auch spielerisch besser zeigt. Vor allem gelingt es Weber und Zampach, den Spielfluss von Haifa frühzeitig zu stören, was den Israelis so gar nicht schmeckt. Vor allem Schneider zieht nun mit viel Übersicht und tollen Pässen das Spiel an sich, während Westerthaler und Yang im Sturm für wesentlich mehr Wirbel sorgen, als Epp und Stojak es im ersten Abschnitt vermochten. Gut, dass sich die Eintracht für ihr spielerisches Übergewicht auch mit Toren belohnt. Nach einer Flanke von Weber verwirrt Yang seinen Gegenspieler Elkayam scheinbar so sehr, dass dieser den Ball mit dem Knie ins eigene Tor lenkt (67.). Und nur eine Minute später machen sie es selbst, nachdem Weber einen genauen Steilpass auf Westerthaler spielt. Der Tiroler bleibt eiskalt und schiebt das Leder zum 2:0 ins lange Toreck.

Obwohl Vilner fünf Minuten vor Schluss einen Konter zum 1:2-Anschlusstreffer nutzen kann, ist Horst Ehrmantraut nach dem Spiel wesentlich ruhiger als noch zur Pause: "Die zweite Halbzeit stimmt mich zufriedener. Da hat mir das bessere Pressingverhalten und das Anspiel der Spitzen gefallen. Nur mit unseren Manndeckern war ich nicht zufrieden, sie waren diesmal unsere Achillesferse."


Güntensperger

Noch vor fünf Tagen verkündet Pressesprecherin Katja Kraus zum wiederholten Male, dass sich Urs Güntensperger aufgrund von Problemen im linken Knie in der Baseler Rennbahn-Klinik zur Rehabilitation befindet. Doch nun lässt “der Kicker“ die Katze aus dem Sack:

Der Schweizer sitzt bis zum 16. August eine dreimonatige Haftstrafe in der Strafanstalt Oberschöngrün in Solothurn ab, da er bereits 1996 einen Unfall unter Alkoholeinfluss verursachte und Fahrerflucht begangen hat. Wegen eines ähnlichen Vergehens saß er bereits 1991 für 48 Tage ein. Dies alles war der Eintracht bei dessen Verpflichtung ebenso bekannt gewesen wie der unvermeidliche Haftantritt im Juni. Aus Gründen der “Fürsorgepflicht“ wurde dies der Öffentlichkeit aber verschwiegen, erklärt Präsident Heller und ergänzt, "dass dies Dinge sind, die im Prinzip nichts mit der Eintracht zu tun haben. Es steht mir nicht zu, diesen Vorgang mit Wohlverhaltenszensuren zu bewerten."

So weit, so gut. Die Fans halten weiter zu Urs, es soll sogar ein Schokoladenkuchen “mit geschickt integrierter Feile“ in die Haftanstalt gesendet worden sein, weiß “Fan-geht-vor“ schmunzelnd zu berichten. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hält der Stürmer sich fit, abends kann er auf dem Gefängnishof sein Laufpensum absolvieren und bei seinen Freigängen sogar sechsmal beim Zweitligaklub FC Solothurn mit trainieren. Auch die Eintracht hält offiziell zu ihm, was Güntensperger nach seiner Rückkehr in Frankfurt allerdings mit einem Kopfschütteln quittiert: "Nicht wirklich. Gehört habe ich nur von einem was und der hat mir einen Brief geschrieben. Das war der Herr Patella." Präsident Heller betont hingegen nur, dass der Gefängnisaufenthalt Auswirkungen auf seine Vergütung habe. Er verschweigt hingegen geflissentlich auch auf Nachfrage der Medien, dass die Eintracht ihm bereits im Juli durch Nichteinreichung seiner Vertragsunterlagen beim DFB klammheimlich gekündigt hat. Bei seiner Rückkehr Mitte August wird Güntensperger dafür ein Drei-Monats-Vertrag zu wesentlich verringerten und leistungsbezogenen Konditionen angeboten.

Wie verwirrend die Politik der Eintracht ist, zeigen die Aussagen einiger Offizieller im September: Schatzmeister Gaetano Patella glaubt, "dass Urs natürlich spielen darf". Lizenzspielerleiter Falkenhain, ist hingegen sicher, "dass er keine Spielberechtigung hat", während der Trainer davon ausgeht, dass er den Stürmer derzeit "nicht einsetzen" darf. Pressesprecherin Kraus wiederum erklärt, dass die Eintracht Güntensperger ein neues Vertragsangebot unterbreitet habe und nun der Spieler "am Zug" sei. Tatsächlich ist Güntensperger, wie das “Kicker-Sportmagazin“ heraus findet, seit Saisonbeginn in vertragslosem Zustand bei der Eintracht, durfte nur mit Sondergenehmigung an Testspielen teilnehmen, sei aber immerhin für den Fall einer Sportverletzung versichert gewesen. "Wenn sie mich loshaben wollen, sollen sie es doch einfach sagen", meint Güntensperger, der nur noch entnervt von der Situation ist.

Entnervt ist auch Rolf Heller. Nämlich davon, dass Güntensperger an die Öffentlichkeit gegangen ist und nun Klage eingereicht hat. Nachdem der Präsident bislang beharrlich geschwiegen hatte, wäscht er jetzt dreckige Wäsche. Er erzählt, der Schweizer hätte die Mannschaft schon im letzten Auswärtsspiel der vergangenen Zweitliga-Saison in Unterhaching im Stich gelassen, in dem er in der Anfangsphase der Partie eine Verletzung vorgetäuscht habe. Dies mit dem Ziel, im letzten Saisonspiel gegen Fortuna Köln nicht mehr mitwirken zu müssen, um rechtzeitig seine dreimonatige Haftstrafe antreten zu können. Ein Wort gibt das andere, so dass die Eintracht kurz darauf ihr Angebot zurückzieht, Güntensperger wechselt am 21. September zu Lausanne Sports in die Schweiz.

Da bleibt ihm das Pech treu. Bei seinem zweiten Ligaspiel zieht er sich am 8. Oktober einen Schien- und Wadenbeinbruch zu, die Saison ist für ihn gelaufen. So wechselt er im April 1999 zum FC Basel, wo ihn drei Wochen später ein Kreuzbandriss, den er sich im Aufbau-Training zuzieht, wieder zurückwirft. Nach nur sechs Kurzeinsätzen und einer Ausleihe nach Altstetten im Sommer 2000 wechselt Güntensperger zum drittklassigen FC Tuggen. (tr)

 

 

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