TSV Deizisau/SF Dettingen - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1983/1984

2:9 (0:2)

Termin: 17.01.1984
Zuschauer: 1200
Schiedsrichter:
Tore: 0:1 Karl-Heinz Körbel (13., Handelfmeter), 0:2 Ralf Falkenmayer (30.), 0:3 Cezary Tobollik (48.), 0:4 Ralf Falkenmayer (57.), 0:5 Thomas Kroth (64.), 0:6 Jan Svensson (68.), 0:7 Cezary Tobollik (69.), 0:8 Martin Trieb (77.), 0:9 Uwe Schreml (83.), 1:9 Fischer (86.), 2:9 Keppler (89.)

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TSV Deizisau/SF Dettingen Eintracht Frankfurt

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Wechsel
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Trainer
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Alle Neune

Zum Abschluss des siebentägigen Trainingslagers in der Sportschule Ruit steht ein letztes Testspiel in Deizisau gegen lokale Vertreter des gepflegten Amateurfußballs an. Gegner der Eintracht ist eine kombinierte Mannschaft aus Spielern der SG TSV Deizisau und der SF Dettingen.

Mit Pahl, Sziedat, Berthold,Körbel, Trieb, Kraaz, Borchers, Falkenmayer, Kroth, Müller und Svensson schickt Trainer Weise die derzeit wohl bestmögliche Aufstellung aufs Feld. Beruhigend ist für Verantwortliche wie für Fans, dass Körbel, Svensson und Kroth, die beim letzten Testspiel vor zwei Tagen gegen die Stuttgarter Kickers aufgrund von Blessuren noch pausieren mussten, wieder mit an Bord sind.

Beide gastgebenden Clubs spielen derzeit in der Bezirksliga eine gewichtige Rolle bei der Vergabe der Meisterschaft, entsprechend engagiert gehen die Amateurkicker zu Werke. Auf dem schwer bespielbaren Boden sehen die 1.200 Zuschauer ein sehr ordentliches Spiel mit einem starken Dettinger Torwart Schnitzler, der bis zur Halbzeit nur zwei Gegentore durch Körbel per Elfmeter und durch Falkenmayer zulässt.

In der zweiten Hälfte geht die Eintracht dann weniger lässlich mit ihren Chancen um, während die Kräfte der Amateure erwartungsgemäß schwinden. Sieben weitere Tore durch Falkenmayer, Kroth, Svensson, Trieb sowie die eingewechselten Tobollik (2) und Schreml sind die Folge. In den letzten Minuten des Spiels haben die Frankfurter dann die Souveränität, sich für die Gastfreundschaft zu bedanken, indem sie zwei Treffer der Platzherren zulassen.

Nach dem Spiel geht es für die Eintrachtkarawane von der schwäbischen Ruhe wieder nach Frankfurt. Am Mittwoch gönnt Trainer Weise seinen Spielern einen freien Tag, für Donnerstag ist Training am Riederwald angesetzt, um sich auf den Rückrundenstart am Samstag in Dortmund vorzubereiten. (fgo)

 


 

Epilog: In ihrer Ausgabe vom 18. Januar 1984 veröffentlicht die Abendpost-Nachtausgabe einen Artikel ihres Sportchefs Hartmut Scherzer, der die Chancen der Eintracht auf den Klassenerhalt und die möglichen fatalen Folgen eines Abstiegs zum Thema hat:

Weise packt's

Frankfurt. — Im „Grauen Bock" in Sachsenhausen, beim Dienstag-Debattierklub der glühendsten Eintracht-Fanatiker, haben Provokateure schon wahre Schreckensvisionen gezeichnet. Gruselige Nebelschwaden ziehen durchs Waldstadion, naßkalter Nieselregen tropft den Menschen auf Hut und Haupt. Es ist so richtig ungemütlich am Samstag, dem 17. 11. 1984. Die Eintracht spielt gegen den BV Lüttringhausen in der Zweiten Bundesliga. Apokalypse November.

Anton Hübler schleppt eine große Thermoskanne auf die Tribüne (ein Antrag, die letzten Zuschauer doch unten neben den Spielern auf der Bank Platz nehmen zu lassen, wurde vom DFB abgelehnt) und schenkt den Treuesten der Treuen dampfenden Kaffee ein. Es sind 159 Zahlende.

Damit die gähnende Leere nicht gar so gähnend leer wirkt, wurde die Gegentribüne mit einer riesigen Leinwand zugehängt. Die Aufschrift ist ein Nachruf des abgesprungenen Werbepartners "Infotec": "Damit haben wir nichts mehr zu tun."

Daß die Spieler im Nebel nur schwer zu erkennen sind, stört nicht weiter. Sie kennt eh' keiner mehr, seit Körbel aus Gram über den Abstieg wie Sziedat die Fußballstiefel in die Ecke gefeuert hat, die Eintracht sich einen Mohr und einen Borchers nicht mehr leisten kann (Ronny geht stempeln) und Falkenmayer, Berthold, Kroth und Tobollik verkaufen mußte, um für die 2. Liga überhaupt die Lizenz zu bekommen.

"Schluß jetzt", brüllt einer durchs Lokal und haut mit der Faust auf die Theke, "die Eintracht steigt nicht ab!" Wer an der Eintracht hängt, denkt so, gemäß dem Motto, "Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein".

Aber ist das realistisch? Der Terminplan der Rückrunde hat das Schicksal der Eintracht vorgezeichnet: Wenn sie sich am 31. März (gegen Bochum, dem fünften von acht Heimspielen) nicht gerettet hat, ist sie nicht mehr zu retten. Das heißt: Sie muß sich im leichteren ersten Teil ein Punkte-Polster anschaffen, von dem sie zum Finale zehren kann. Denn bei den Titelkandidaten Mönchengladbach, Bayern, Stuttgart und HSV ist der Abstiegskampf dann nicht mehr zu gewinnen.

Auf dem Papier hat die Eintracht Heimvorteil: bis auf Borussia Dortmund müssen alle Leidensgenossen im Waldstadion antreten, Offenbach, Braunschweig, Bochum und Nürnberg. Das werden also die Schlüsselspiele. Soviel zum Für und Wider nach dem Spielplan.

Zur Mannschaft: Die Serie der Verletzungen ist schon zur Seuche geworden. Mattern und Mohr fehlen in der so wichtigen Anfangsphase der Aufholjagd immer noch. Gerade sie aber sollten das größte Übel abschaffen helfen, die Unfähigkeit, Tore zu schießen (eins (!) in den letzten sechs Bundesligaspielen, ganze 18 in den 17 Spielen der Vorrunde). Mit Schießübungen und Schußtests, bis die Füße qualmten, rückten die Stürmer im Trainingslager ihrer eklatanten Schwäche zu Leibe.

Diesem verhängnisvollen Manko stehen der kompakte Abwehrblock mit Michael Sziedat als neuem Libero und die Zuverlässigkeit des Torwarts gegenüber. Im Abstiegskampf hat sich der unruhige Pahl zum ruhenden Pol gemausert. Beides ein Verdienst von Trainer Dietrich Weise.

Allein dieser Mann ist für mich der Grund, realistische Überlegungen anzustellen, die dem Wunschdenken anderer gleichkommen: Weise wird den Abstiegskampf ohne Hektik und Panik führen, mit äußerer Gelassenheit und innerer Geduld seinen Spielern jenes Maß an Sicherheit und Selbstvertrauen vermitteln, um die lösbaren Aufgaben auch zu lösen und dem Abstieg zu entrinnen.

Dazu sind aber die von mir vorausgesagten 16 Punkte in der Rückrunde unbedingt erforderlich, um mit insgesamt 25 Punkten Offenbach und Nürnberg gerade noch hinter sich zu lassen und sich im Relegationsspiel (gegen den Dritten der 2. Liga) zu retten. Sonst droht Lüttringhausen im November ...

 

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