FC Homburg - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1971/1972

2:4 (1:2)

Termin: 16.01.1972
Zuschauer: 1.000
Schiedsrichter: Biwersi (Bliesransbach)
Tore: 0:1 Horst Heese (4.), 1:1 Segez (18.), 1:2 Horst Heese (29.), 1:3 Horst Heese (68.), 2:3 Kittel (76.), 2:4 Roland Weidle (86.)


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FC Homburg Eintracht Frankfurt

  • Toth
  • Eberle
  • Rödler
  • Figlus
  • Rippberger
  • Müller
  • Nicastro
  • Segez
  • Lang
  • Heinz Koch
  • Kittel

 


 

Wechsel
  • Michael Koch für Heinz Koch (46.)
  • Hess für Müller (65.)
  • Ney für Segez (65.)
Wechsel
Trainer
  • Sommerlath
Trainer



Sympathien für Ribbeck


Kalb, Schauber, Nickel

Die Olympiamannschaft des DFB ging auf Länderspielreise und vier Hessen sind zu Beginn mit von der Partie gewesen. Peter Schauber von Rot-Weiß Frankfurt, Niko Semlitsch von Kickers Offenbach sowie die beiden Eintrachtspieler Jürgen Kalb und Bernd Nickel starteten auf dem Rhein-Main-Flughafen nach Irland.

Bei diesem ersten Test im neuen Jahr gegen eine irische Auswahl, die mit sechs Profis aus der ersten englischen Liga aufläuft, können im deutschen Team nur zwei Spieler überzeugen: Der Braunschweiger Libero Haebermann und Bernd Nickel. Torwart Schauber, der wie Semlitsch am Tag nach dem Spiel wieder zurück nach Deutschland kehren muss, weil die beiden am Wochenende in wichtigen Meisterschaftsspielen ihrer Klubs eingesetzt werden, kann weder seinen Auswahltrainer Jupp Derwall noch die 20.000 Zuschauer von seinem Leistungsvermögen überzeugen. Schauber macht einen sehr unsicheren Eindruck. Noch enttäuschender ist allerdings der Auftritt des jungen Stürmers, der in Diensten von Bayern München steht. Sein Name lautet Ulrich Hoeneß.

"Jetzt wissen wir, wo wir stehen. Es gibt noch viel zu tun, wenn wir in München gut abschneiden wollen", lautet das sachliche Fazit Derwalls nach der Niederlage in Dublin. Nach dem Spiel in Glasgow gegen die schottische Juniorenauswahl fällt es trotz der 0:1-Niederlage sogar positiv aus: "Ich bin mit der Mannschaft zufrieden." Mit der Mannschaft vielleicht, mit dem Torwart dagegen bestimmt nicht. Vor 7.000 Zuschauer fiel das entscheidende Tor in der 19. Minute, weil der Bochumer Torwart Bradler einen leichten Flankenball nicht hatte festhalten können.

Im dritten Spiel der Tournee kommt dann der dritte Torwart zum Einsatz. In Utrecht steht vor 8.000 Zuschauern der Torhüter des Tabellenführers der 1. Amateurliga Schwarzwald/Bodensee, des FC Singen 04, im Kasten der DFB-Auswahl. Derwalls Männer sind klar überlegen und gewinnen durch Tore des Duisburgers Klaus Wunder in der 9. Minute sowie von Bernd Nickel in der 62. Minute mit 2:0. Der überragende Mann gegen die niederländischen Junioren ist jedoch der deutsche Torwart: Günter Wienhold. Der Singener Keeper, der in 19 Meisterschaftsspielen erst 11 Gegentreffer kassieren musste, wird bereits von Bundesligavereinen umworben wird, wie man hört.

Bei der Eintracht bringt sich zur selben Zeit der Schlussmann der Spvgg Fürth ins Gespräch. Peter Löwer, im letzten Jahr für die wenigsten Gegentore in der Regionalliga Süd ausgezeichnet, möchte ins große Fußballgeschäft. "Für 30.000 DM Handgeld und etwa 80.000 Ablöse bin ich zu haben. Am liebsten ginge ich nach Frankfurt", wird er in der Zeitung zitiert. "Ein guter Torwart. Aber wir haben noch nicht mit ihm gesprochen",

Es gab der Mannschaft Ruhe, dass es auch in der ruhelosen Zeit des vergangenen Jahres keine Trainerkrise gab. So ähnlich lautet übrigens auch die Antwort des Eintracht-Präsidenten Zellekens auf eine Anfrage zur Abendpost/ Nachtausgabe" "Wir haben im Präsidium noch nicht über die Trainerfrage gesprochen." Es ist also noch ungeklärt, ob Trainer Erich Ribbeck, seit 1968 in Diensten des Frankfurter Bundesligisten, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern wird. Doch wenn heute eine Entscheidung fallen müsste, würde sie für Ribbeck ausfallen. "Ribbeck genießt viele Sympathien", sagt Zellekens.

In der Trainerfrage scheinen die Verantwortlichen der Eintracht dem Vereinsnamen alle Ehre zu machen, wobei Erich Ribbeck nun weiß Gott nicht immer unumstritten war und ist. Aber auch Ernst Berger, der Mann des Verwaltungsrates, der für die Lizenzspielerabteilung verantwortlich zeichnet, macht aus seinem Wohlwollen für den Trainer kein Geheimnis: "Ich bin für Ribbeck."

Einzig der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Achaz von Thümen, bringt eine Alternative ins Gespräch: "Wenn überhaupt, dann kommt nur Johannsen infrage." Ob aber der Mitte November bei Hannover 96 wegen Erfolgslosigkeit entlassene ehemalige Meistertrainer dem verwöhnten Frankfurter Publikum zu vermitteln ist? Die Alternative des Kanzlers der Frankfurter Universität ist wohl auch eher akademischer Natur, als eine ernsthafte Option, zumal auch von Thümen als Ribbeck-freundlich eingestellt gilt. Der Tag der Entscheidung ist bereits fixiert, am 1. Februar wird sich der 13köpfige Verwaltungsrat mit dem Präsidium treffen "Dann werden wir über die Trainer-Frage sprechen", verspricht von Thümen.

Die Ansage des Mannes, über dessen berufliche Zukunft öffentlich debattiert wird, lässt nicht auf sich warten: "Ich möchte dort trainieren, wo sich sportlich die besten Voraussetzungen bieten." Ribbeck will die Mannschaft konsequent verstärkt sehen, ein starker Abwehrspieler steht ganz oben auf der Wunschliste. Wenn darüber hinaus noch ein wertvoller Neuzugang zur Eintracht kommt, dann, so glaubt, Ribbeck, wird er in der Bundesliga-Landschaft kaum eine reizvollere Aufgabe als in Frankfurt finden können.

Glücklichweise handelt es sich bei der Eintracht um einen Sportverein. So werden nicht nur Worte gewechselt, sondern auch sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Die Profifußballer bereiten sich mit einem weiteren Testspiel auf den Auftakt zur Bundesligarückrunde vor und treten dazu vor nur etwa 1.000 Zuschauern gegen den FC Homburg an.

Die Amateure geben Horst Heese Gelegenheit in seine alte Rolle zu schlüpfen und sich mal wieder richtig auszutoben. Schon nach vier Minuten bringt der zum Abwehrspieler umfunktionierte einstige Torjäger die Eintracht in Führung. Schockieren kann der frühe Rückstand die Saarländer nicht. In der 18. Minute gleichen sie durch Soyez aus.

Sie haben sogar zwei Mal die Chance, ebenfalls in Führung zu gehen. In der 20. und in der 21. Minute beweist Giovanni Nicastro, dass er über einen ausgezeichneten Schuss verfügt. Torwart Kunter lässt sich beide Male zu großartigen Paraden zwingen und verhindert so einen Rückstand.

Nicastro ist ganz klar der Liebling des Publikums, doch überragt wird er vom Frankfurter Heese. Kurz nachdem Hölzenbein gegen Aust ausgetauscht wird, sorgt Heese in der 29. Minute mit seinem zweiten Treffer für das 2:1. Nicastros großem Spielverständnis entgegnet Heese mit der gewohnten Kampfkraft und der alten Torgefährlichkeit.

Die 1. Spielhälfte hat einiges an spielerischer Klasse und ist enorm abwechslungsreich, weil die Homburger in einem stürmischen Ansturm die jeweiligen Frankfurter Führungstreffer zu egalisieren suchen. Dr. Kunter ist es, der mit Routine, gutem Stellungsspiel und beherztem Zupacken die Torambitionen des Regionalligisten vereitelt.

In der zweiten Halbzeit lassen die Amateure verständlicherweise nach. Horst Heese dagegen bleibt unermüdlich und sein Torhunger ist für den heutigen Tag erst nach 68 Minuten und mit seinem dritten Tor gestillt. Die Antwort der tapferen Regionalligaspieler lässt wiederum nicht lange auf sich warten. Eine knappe Viertelstunde vor dem Ende verkürzen sie durch Werner Kittel auf 3:2. Manfred Diehl, der nicht einmal 60 Sekunden zuvor für Bernd Nickel eingewechselt wurde, hat sich seinen Einstand auf dem Platz sicher anders vorgestellt.

Immerhin – das letzte Wort gehört der Eintracht. Roland Weidle, der bereits während der Griechenlandreise mit drei Treffern in zwei Spielen eine tolle Quote aufzuweisen hatte, trifft auch in diesem Spiel. Vier Minuten vor dem schlägt er zu und erzielt den Endstand zum 4:2 für die Eintracht. Trainer Ribbeck ist dennoch unzufrieden: "Da ging noch vieles schief!" (rs)


Erich Ribbeck interviewt von Wolfgang Rothenburger

Vor einem Jahr stand die Eintracht an letzter Stelle. Praktisch hievte sie sich mit nur zwei neuen Spielern an die Spitzengruppe heran:
Das hat vielerlei plausible Gründe. Damals fiel immer irgendein Stammspieler aus, mal Schämer, Wirth, Lutz, Trinklein und vor allem Dr. Kunter. Wir schossen in der ersten Serie zu wenig Tore, verloren daher Spiele, die wir gewinnen mussten. Und plötzlich war Gewinnenmüssen zum Zwang geworden. Da kommt man schnell ins Schleudern. Heute spielen wir - Ausnahmen bestätigen die Regel - mit konstanterer Mannschaft. Und das Manko von 1970 ist zum Plus 1971 geworden. Wir wurden heimstark, und das Publikum honorierte es. Wir wurden kesser, auswärts vor allem. Und hatten Erfolg. Nicht zuletzt hat sich der Angriff durch Parits und Ende doch erheblich verstärkt, unsere Tore sind Beweis dafür.

Welcher ihrer vielen jungen Spieler hat Ihrer Meinung nach den größten Sprung gemacht?
Andere Trainer werden mir beipflichten. Mit den Leuten ist das anfangs immer so eine Sache, weil sie größeren Formschwankungen unterworfen sind und man vorher nie weiß, wer und wann gerade in ein Tief gerät. Mit der Zeit passen sie sich besser dem Rhythmus an, bei uns abzulesen an Hölzenbein, Nickel, Kalb, Trinklein. Vielleicht hat Nickel den größten Sprung gemacht auf dem Posten, auf dem er immer so gerne spielen wollte. Er ist ruhiger, sicherer geworden. Hoffentlich bleibt das so.

Die Eintracht hat die besten Elfmeterschützen der Liga, es mussten aber auch die meisten Strafstöße gegen sie verhängt werden. Wie ist das erklärbar?
Zum ersten: Elfmeter werden - wie jetzt vor den Pokalspielen - öfter geübt, weil sie siegentscheidend sein können. Wenn das Training zu Ende ist, werden noch mal Elfer geschossen. Jeder hat fünf Schuss - und jede Niete kostet eine Mark. Wer aber bezahlt schon gerne? Zum zweiten: Ich glaube nicht, dass wir oder die anderen härter spielen. Ich nehme eher an, dass die Schiedsrichter zu härterem Durchgreifen aufgefordert wurden.

Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Bleiben Sie in Frankfurt?
Darüber wird Mitte oder Ende des nächsten Monats eingehender gesprochen. Vereinbart wurde bislang lediglich, dass jeder - Eintracht sowohl wie ich - dem anderen Kenntnis gibt, falls sich eine für ihn neue Situation ergibt.

Die Eintracht hat Schalke geschlagen, hat Bayern geschlagen. Sie kennen also beide, wer wird Meister, wo liegt die Stärke des einen und des anderen?
Schalkes Stärke sind die drei Punkte Vorsprung. Bayerns Plus dagegen liegt darin, dass sie jederzeit jeden deutschen Gegner schlagen kann. Bayern ist als Mannschaft fester gefügt als jede andere, wahrscheinlich auch reifer. Aber drei Punkte wollen erst aufgeholt sein.

Man hält die Bundesliga für eine der stärksten Europas. Wie aber kommt es dann, dass unsere Meister im Europapokal, eine so klägliche Rolle spielen?
Von Gladbach kann man das nicht sagen. Das Inter-Intermezzo ist ohnehin eine Sache für sich. Für mich hatte Borussia das erste Spiel reell gewonnen, auch deshalb, weil sie von Inter unterschätzt worden war. Gladbachs Ausscheiden war also nicht ganz richtig. Im Vorjahr war es nur durch Elfmeter gescheitert. Wie gut und beständig diese Elf ist, hat sie durch ihre Titelverteidigung gezeigt. Zuvor hatten wir hochgepeitschte Meister, die auch in der Bundesliga gleich danach aufs Kreuz fielen, ob Braunschweig, 1860, Bremen oder Nürnberg. Da war das Ausscheiden also kein Zufall.

Was halten Sie vom Bundesliga-Skandal und von einer Generalamnestie?
Über das erste ist genug geschrieben worden und wird auch noch genug geschrieben werden. Zum anderen: Eine Amnestie halte ich für völlig indiskutabel. Der Fußball muss seine totale Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Er ist auf dem Wege dazu.

Eine Scherzfrage zum Schluss: Sind Sie mit jenem gedichtberühmten Ribbeck auf Havelland verwandt oder verschwägert?
Nicht, dass ich es wüsste. Ich habe meinen Stammbaum zwar bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt, auf diesen Herrn von Ribbeck bin ich dabei jedoch nicht gestoßen.

 


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