Eintracht Frankfurt - Bayern München

Bundesliga 1968/1969 - 6. Spieltag

1:1 (1:1)

Termin: Sa 14.09.1968, 15:30 Uhr
Zuschauer: 60.000
Schiedsrichter: Walter Eschweiler (Euskirchen)
Tore: 1:0 Jürgen Grabowski (17., Foulelfmeter), 1:1 Gerd Müller (29.)

 

 

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Eintracht Frankfurt Bayern München

 


  • Sepp Maier
  • Peter Kupferschmidt
  • Peter Pumm
  • Werner Olk
  • Franz Beckenbauer
  • August Starek
  • Rainer Ohlhauser
  • Dieter Brenninger
  • Franz Roth
  • Georg Schwarzenbeck
  • Gerd Müller

 

Wechsel Wechsel
Trainer Trainer



Starker Besuch und schwache Leistungen

Wohin man diesmal auch blickte und wen man sprach, niemand schien zufrieden. Vielleicht waren die Erwartungen wieder einmal zu hoch geschraubt worden. Die Bayern aus München erwiesen sich als Kassenmagnet und halfen das Loch in der Eintracht-Kasse stopfen. Wie ein kommender deutscher Meister sahen sie nicht aus. Ihre Wunderkiste blieb verschlossen wie die der Riederwälder. Der schwer in Deutsch verständliche Bayern-Trainer Zebec wertete Spiel und Gegner auf. Bei ihm zählte nur die Mannschaft, die zum sechstenmal unverändert antrat und noch niemals auswechselte. Für ihn war das 1:1 ein Erfolg. Die Journalisten blieben höflich und fragten ihn nicht nach seinen schwachen Punkten auf den Flügeln. Ribbeck hatte vorher seinen Mißmut mit den schwachen Eintracht-Stürmerleistungen lauter von sich gegeben. Er legte die Elle am Braunschweiger Spiel an. So mußten eine Reihe seiner Leute und der FC Bayern schlecht aussehen. Denn eine Partie wie vor zehn Tagen sieht man vielleicht im Jahr zweimal, mehr nicht.

In sechs Spielen hat die Eintracht nun sechs Treffer erzielt. Das letzte echte Stürmertor führt bis ins erste Spiel gegen Hertha BSC zurück. Grabowskis 1:0 fiel diesmal durch Elfmeter, bei dem mehr Glück im Spiel war als kürzlich gegen Braunschweig. Damit war aber alles Pulver verschossen. Die Bayern, obwohl spielerisch reifer und mannschaftlich weit geschlossener, schienen Mitte der zweiten Halbzeit reif für die erste Niederlage, als es in ihrem Torraum mehrfach turbulent zuging. Immer dann, wenn Sepp Maier den glitschnassen Ball nicht festhielt.

Bundestrainer Helmut Schön, vor dem Regen auf die Pressetribüne geflüchtet, entschuldigte Maier und auch Kunter, der überraschend für Tilkowski aufgeboten war. Die 63 000 Zuschauer erlebten schließlich den alten Kunter von früher, reaktionsschnell und sicher auf der Linie, unentschlossen und ängstlich, wenn Eckbälle oder Flanken anschwirrten. Ein solcher Patzer von ihm brachte schließlich das 1:1 durch den kleinen Bomber Müller, der zum großen Star einer sonst blassen Bayern-Elf emporwuchs.

Daß man ausgerechnet Bellut zum Müller- Bewacher beorderte, verstand niemand. Der Wolfsburger besitzt nun einmal zu geringe Abwehrqualitäten, um einen so wendigen Gegner wie Müller zu binden. Zum Glück stand die Eintracht-Deckung auch ohne Lutz auf festen Füßen und diszipliniert wie lange nicht mehr.

Wer aber soll die Tore schießen? Ein Walter Bechtold ist nicht in Sicht, ein Willi Huberts, so wertvoll er wiederum war, schießt nicht mehr aus der zweiten Linie. Von einer Eintracht-Sturmreihe konnte keine Rede sein. Sie bestand aus Solisten, die irgendwann In der Beckenbauer-Organisation hängenblieben.

Die beste Eintracht-Zeit lag am Anfang

So temperamentvoll wie der Auftakt waren die ersten 20 Minuten: Die Eintracht hatte Anstoß, Nickel setzte sich in der Mitte durch, und mit seinem harten 20-Meter-Schuß hatte Bayern-Schlußmann Maier einige Mühe. In diesen ersten Minuten dominierten die Gastgeber, kamen Erinnerungen an den Elan und die Spannkraft der Braunschweiger Begegnung auf. Gefällige, zuweilen sogar atemberaubende Kombinationen zwischen Nickel, Grabowski oder Huberts stürzten die Münchener Abwehr in manche Verlegenheit. Es wurde schnell gespielt, direkt — vielleicht eine Spur zu feurig, zu überhastet.

Aber mit geballter Kraft sollten diesmal Erfolge erzielt werden, die gegen Braunschweigs Festung mißglückt waren. Zumal bereits in der 17. Minute der Führungstreffer gefallen war. Grabowski wurde im Zweikampf von Pumm mit dem Knie gebremst — Schiedsrichter Eschweiler zeigte ohne zu zögern auf den Punkt. Den Strafstoß ließ sich Grabowski nicht entgehen.

Mit diesem Vorsprung hätte sich's für die Eintracht beruhigt weiterspielen lassen. Aber bereits jetzt bahnte sich der Umschwung an. Denn die Bayern, als selbstbewußter Tabellenführer gestartet, nicht mit Überheblichkeit, wohl aber einer Spur Nonchalance ausgestattet, diese Bayern wurden plötzlich aus ihrer Beschaulichkeit aufgerüttelt. Und sie konterten. Zunächst noch wild und stürmisch, mit Zorn über das Tor und die Respektlosigkeit des Gegners erfüllt. Aber dann wurde es ernst. Wirth hatte mit Brenninger auf dem linken Flügel keine Mühe; Bellut aber wird sicher noch nachts von Gerd Müller geträumt haben.

63.000 erlebten an diesem Samstag ein völlig neues Müller-Gefühl. Das war nicht mehr jener Reißer vergangener Jahre, nur als Sturmspitze zu gebrauchen. Dieser Müller zog sich, wenn es sein mußte, geschickt ins Mittelfeld zurück; er spielte mit, baute klug auf — und war dann wieder in vorderster Front zu finden. Müller beeindruckte mit seinem instinktsicheren Stellungsspiel, mit einer phantastischen Kondition und überzeugendem Kopfballspiel.

Er mußte, anders war es wohl auch gar nicht möglich, auch den Ausgleich erzielen. Das war in der 29. Minute, nachdem Bellut zuvor im letzten Moment vor Müller zur Ecke geklärt, Kunter einen Müller- Schuß (allerdings aus Abseitsposition) zunichte gemacht hatte und Bellut sicher der Schreck von Innsbruck in die Knochen gefahren war, als er im Flug mit Kopfball zur Ecke klärte. So ähnlich hatte er gegen Wacker das Eigentor fabriziert. Aber ausgerechnet diese Ecke wurde zum Verhängnis. Kunter unterlief Stareks Eckball, Brenninger paßte von links zu Müller, und gegen dessen Geschoß aus fünf Metern unter die Latte war kein Kraut gewachsen. Was Müller für die Bayern, war Grabowski für die Eintracht. Als einziger hielt er das Tempo voll durch; 90 Minuten focht er rassige Duelle mit dem nicht zimperlichen Naturburschen Schwarzenbeck aus, die zu 70 Prozent an den blonden Frankfurter gingen, ihm aber auch zahlreiche Blessuren eintrugen.

Grabowski war Motor im Angriff, aber nach der ersten halben Stunde, als dem Eintracht-Glanz dem nüchternen Alltag mit den bekannten Fehlern und Schwächen wich, fast nur noch auf sich allein gestellt. Weil Nickel nach gutem Start sichtlich nachließ, weil Kraus, der später zur Bewachung Stareks zurückbeordert wurde, gegen Kupferschmidt nichts zustande brachte und außer ein paar Gewaltschüssen aus dem Hinterhalt wirkungslos blieb und auch für Hölzenbein und Pumm meist Endstation war. Es lag auch daran, daß der Nachschub aus dem Mittelfeld nicht anrollte.

Huberts besser als Starek

Drei Angriffsspitzen — im Hinterland aber klaffende Lücken: Damit war die Bayern-Deckung um den erneut souveränen Beckenbauer später nicht mehr aus der Fassung zu bringen. Huberts leistete zwar ein großes Arbeitspensum. Bis sich Huberts wieder wirkungsvoll ins Angriffsspiel einschalten konnte, hatte sich der Gegner längst formiert, waren die Chancen vertan. Huberts aber war von den drei Österreichern noch der Attraktivste. Pumm auf der Gegenseite spielte zwar einen soliden Part herunter, blieb aber insgesamt unauffällig. Vom Ex-Nürnberger Starek sah man (dank Huberts) nicht allzuviel; er ließ konditionell zum Schluß am deutlichsten nach. So war auch die Rolle der Gäste im Mittelfeld nicht berauschend — vielleicht der Hauptgrund, daß es nur eine mittelmäßige Partie wurde. Denn obwohl der Tabellenführer reifer wirkte, geschlossener im Mannschaftsgefüge — im Angriff fehlte (vielleicht, weil Beckenbauer nur selten mit nach vorn ging) trotz 10:6-Eckenvorteile der letzte Biß. Jusufi, sehr diszipliniert, schaltete Ohlhauser aus, Schämer hatte Roth sicher im Griff, und Lindner war wirkungsvoller Libero. Die Eintracht aber, trotz mangelnder spielerischer Substanz nach der Pause, buchte noch eine Reihe guter Chancen.

Maier mußte sich bei Schüssen von Grabowski und Kraus strecken, Racky (ab 57. für Hölzenbein) fehlte die Courage bei einem Alleingang, und Schämer donnerte sieben Minuten vor Schluß einen Freistoß knapp am Pfosten vorbei. Danach folgten Auflösungserscheinungen auf Rängen und Spielfeld; im Schnürlregen nach dem Wechsel waren beide Partner mit einer Punkteteilung zufrieden.

 

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