Sports Olympiques Montpelliér - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1929/30

2:4 (0:0)

Termin: 29.12.1929
Zuschauer: 5.000
Schiedsrichter:
Torschützen: 1:0 (48.), 1:1 Theodor Trumpler (49.), 2:1 (76.), 2:2 Karl Ehmer (78.), 2:3 Joseph Kron (86.), 2:4 Karl Ehmer (88.)

 

>> Spielbericht <<

Sports Olympiques Montpelliér Eintracht Frankfurt

 


 

Wechsel
Wechsel
Trainer
Trainer

 

Ende gut - alles gut!

OS. Montpellier - Eintracht Frankfurt 2:4 (0:0).

(Eigener Drahtbericht des "Sport-Echo".)

B.G. Montpellier, 29. Dezember.

Das letzte Spiel der Eintracht in Frankreich dürfte ihr wohl den größten spielerischen Triumph aller vier Spiele gebracht haben. Nach dem Sieg der Eintracht über den französischen Meister Olympique Marseille setzte der französische Pokalmeister O.S. Montpellier alles daran, die Frankfurter zu schlagen. Wenn die Eintracht nicht tatsächlich zu ihrer Höchstform aufgelaufen wäre, hätte sie wohl auch eine Niederlage einstecken müssen. Die Meistermannschaft überwand aber alle noch so ungünstigen Widerstände und holte sich einen Sieg heraus, der noch viel überlegener errungen wurde, als es das Ergebnis ausdrückt.

Die Frankfurter Spieler insbesondere aber die Stürmer, hatten stark unter einem plötzlichen Witterungsumschlag zu leiden. Nachdem es während der ersten drei Spiele durchweg geregnet hatte, klärte es sich Ende der Woche auf. Der Sonntag brachte dann nicht nur Frühlings- sondern direktes Sommerwetter.

25 Grad im Schatten

ist nicht zu hoch geschätzt. Man kann sich denken, daß sich die Mannschaft erst einmal an diese Hitze gewöhnen mußte. Dazu kam noch eine große Portion Pech in den Schüssen und ein vollkommen unfähiger Schiedsrichter. Der Schiedsrichter in Paris war schon schlecht gewesen, was sich aber dieser Mann in Montpellier erlaubte, ging doch stark über die Hutschnur; der Mann hatte nur Augen für die Mannschaft von Montpellier. Er fällte Entscheidungen gegen die Eintracht, über die man nur den Kopf schütteln konnte. Wir möchten hier gar nicht in den Vordergrund rücken, daß er zwei regelrecht erzielte Tore nicht gegeben hat; durch sein sinnloses Pfeifen vereitelte er der Eintracht unzählige gute Gelegenheiten. Es spricht stark für die Mannschaft, daß sie trotz dieses Schiedsrichters das Spiel gewann.

Zwei verschiedene Halbzeiten.

Die Eintracht trat in Montpellier in der stärkstmöglichen Aufstellung an:

Trumpp; Schütz, Pfeiffer; Gramlich, Goldammer, Mantel; Schaller, Trumpler, Ehmer, Kron, Kellerhoff.

Bei Beginn des Spiels waren etwa 5000 Zuschauer anwesend. Der Platz von Montpellier war längst nicht so schön und gut wie die Plätze in Cannes und Marseille. Besonders störend waren die vielen Unebenheiten auf dem Spielfeld.

Schon bald nach Beginn hatte sich die Eintracht gefunden und legte in starkem Tempo los. Die ganze Halbzeit über spielte sie fast nur in der Hälfte des Gegners. Der Sturm war aber vorerst viel zu weich und unentschlossen. Die Läuferreihe gab immer wieder gute Vorlagen, insbesondere Gramlich setzte seinen Flügel schön in Bewegung. Die Innenstürmer schienen aber schon nach zehn Minuten wie ausgepumpt. Scheinbar wurden gerade diese Spieler am meisten von der Hitze gepackt. In der 36. Minute mußte Pfeiffer, der bis dahin ein ganz hervorragendes Spiel geliefert hatte, wegen einer Verletzung bei einem Zusammenprall ausscheiden. Stubb trat sofort als Ersatz ein. Trotz größter Bemühungen konnte die Eintracht bis Halbzeit kein Tor erzielen.

Nach der Pause stand wieder Pfeiffer in der Verteidigung. Schon nach drei Minuten Spieldauer ging Montpellier 1:0 in Führung. Bei einem Angriff der Franzosen lief Trumpp einem weit vorgelegten Ball entgegen, verfehlte ihn jedoch, so daß der Mittelstürmer nur ins leere Tor zu schießen brauchte. Für den Eintrachtsturm war dieses Tor ein Ansporn. Schon in der vierten Minute fiel der Ausgleich. Kellerhoff ging mit einer guten Vorlage davon, gab eine gute Flanke, Trumpler fackelte nicht lange, nahm den Ball aus der Luft und schoß ein. Bei weiterer Ueberlegenheit der Eintracht steigerte sich das Tempo immer mehr. In der 25. und 27. Minute schossen Ehmer und Trumpler zwei Tore, die beide vom Schiedsrichter nicht anerkannt wurden, obwohl kein Grunde ersichtlich war. Dann nahm das Spiel für die Eintracht wiederum eine ungünstige Wendung. Trumpp sprang in der 31. Minute noch einem hohen Ball, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte mit dem Kops zuerst zu Boden. Er mußte dabei den Ball fallen lassen, den der hinzuspringende Halbrechte der Franzosen einschob. Eintracht lag also wieder im Rückstand, Minuten vor Schluß. Nun wurde aber die Eintracht in noch viel stärkerem Maße überlegen. Es dauerte ganze zwei Minuten, bis der Gleichstand wieder hergestellt war. Pfeiffer schlug einen Strafstoß zu Schaller, der genau flankte, Ehmer nahm den Ball auf und schoß placiert ein. Eintracht war weiter stark im Vorteil. Es war nur noch ein Spiel gegen die Zeit, die immer mehr dem Ende zurückte. Endlich, vier Minuten vor Schluß,glückte der Führungstreffer. Der Ball durchlief von hinten bis vorn die ganze Mannschaft, jeder der fünf Stürmer hatte den Ball schon gehabt, bis er zu Kron kam, dessen genauer Schuß nicht zu halten war. Vom Anstoß weg, der von Ehmer abgefangen wurde, ging der Eintrachtsturm noch einmal durch, Ehmer schoß kurz entschlossen 20 Meter vom Tor entfernt eine seiner Bomben, die ihr Ziel nicht verfehlte. Eintracht führte 4:2,womit der Sieg endgültig sichergestellt war. Nach zwei Minuten war das aufregende Spiel zu Ende.

Die Kritik

kann bei der Eintrachtmannschaft eine weitere erfreuliche Formverbesserung feststellen. Im Sturm waren die beiden Außenstürmer Kellerhoff und Schaller beide zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in voller Form. Im Innensturm war Kron der beste Mann, dagegen fiel die Leistung Trumplers gegen seine bisherigen Spiele etwas ab, was übrigens nicht zu verwundern ist, denn vier Spiele auf einen Schlag sind für einen Spieler, der noch nie in einer Bezirksligamannschaft gespielt hat, wirklich etwas viel. Von den Läufern gefiel diesmal Mantel am besten, weil er sich zum ersten Mal voll ausgab. Aber auch die Leistung der beiden übrigen Läufer konnte sich sehen lassen. In der Hintermannschaft überragte Pfeiffer vor und nach seiner Verletzung.

Die Franzosen spielten einen recht primitiven Fußball. Ihre Stärke lag in ihrer Schnelligkeit. Von irgend einer Spielauffassung war nicht viel zu merken. In der Mannschaft standen übrigens drei Ausländer, zwei Schweizer und ein Jugoslawe, deren Leistungen nicht die schlechtsten waren. Der beste Mannschaftsteil war die Hintermannschaft, in der der sehr gute Torwächter mit hauptverantwortlich dafür ist, daß die Niederlage nicht höher ausfiel. Die Stürmer hatten in ihren Aktionen viel Glück, sie waren schnell und wendig, System lag in ihren Angriffen wenig. Die gesamte Läuferreihe war nur mäßig.

 

Heimkehr am Dienstag.

Die Eintrachtmannschaft trat am Montag vormittag die Heimreise über Straßburg an, wo sie übernachten wird. Ihre Ankunft ist für Dienstagnachmittag 17.02 Uhr im Frankfurter Hauptbahnhof vorgesehen. Es ist anzunehmen, daß eine große Anzahl von Anhängern des Mainmeisters der erfolgreichen Elf einen großen Empfang bereiten wird.    (aus dem 'Sport-Echo für das Maingebiet' vom 30.12.1929)


>> Spieldaten <<

 

© text, artwork & code by fg