Eintracht Frankfurt - Wacker München

Freundschaftsspiel 1922/23

6:2 (0:1)

Termin: 21.01.1923
Zuschauer: 5.000
Schiedsrichter: Klee (Borussia Frankfurt)
Tore: 0:1 Ostermeier, 1:1 Kurt Beuttler (46.), 2:1 Peter Szabo, 2:2 Nebauer, 3:2 Kurt Beuttler, 4:2 Willi Pfeiffer, 5:2 Willi Pfeiffer, 6:2 Peter Szabo (90., Elfmeter)

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Eintracht Frankfurt  Wacker München

 


  • Bernstein
  • Höß
  • Huiras
  • Eschenlohr
  • Rehle
  • Klingseis
  • Weber
  • Ostermeier
  • Falk
  • Nebauer
  • Kling

 

Trainer
Trainer

Das Ereignis in Frankfurt a.M.

Wacker München und Eintracht liefern sich einen mit Begeisterung aufgenommenen Freundschaftskampf

Trotzdem der am Sonntag niedergegangene Schnee durch den Südwest bereits zum Tauen gebracht war, präsentierte sich der Riederwald am Sonntagnachmittag der hellen Wintersonne noch in schmuckem Weiß. Wenn auch glatt, war die Schneedecke immer noch fest genug, um ein gutes Spiel zu gewährleisten. Wacker München hat sich durch die verschiedenen Spiele der letzten Jahre hier in Frankfurt einen großen Anhang geschaffen. Es konnte also nicht wundernehmen, daß sich eine in Anbetracht des Tauwetters große Zuschauermenge eingefunden hatte, die Zeuge des Freundschaftstreffens des vorjährigen süddeutschen Meisters mit dem mehrmaligen Nordmainmeister Eintracht sein wollte.

Und ich darf es wohl vorwegnehmen; es war niemand vom gebotenen Sport enttäuscht. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse war es ein Spiel, würdig der klangvollen Namen der beiden Gegner, ehrenvoll im gleichen Maße für den Sieger und den Besiegten. Doch nun will ich den Lesern die Einzelheiten des Kampfes nicht länger vorenthalten.

Das Spiel beginnt mit forciertem Tempo, und schon in den ersten Minuten kommen beide Tore in Gefahr. Eine Ecke für Eintracht bringt nichts ein. Eine darauffolgende Ecke für Wacker wird auf das Netz getreten. Wacker steht öfter abseits. Die Schüsse von Szabo und Rockmann auf der einen, 2 Schüsse von Kling auf der anderen Seite verfehlten knapp ihr Ziel. Dann glänzt Höß mit einem Kopfballe, durch den er im Hechtsprung in der verlassenen Torecke einen sicheren Erfolg verhindert. Langsam wird eine leichte Feldüberlegenheit Wackers unverkennbar. Die Eintrachtdeckung muß schwer arbeiten. So wird die 2. Ecke für München von Sackmann unschädlich gemacht. Eine brenzliche Situation im Eintrachtstrafraume wird von Ostermeier gut ausgenützt, und aus kurzer Entfernung geschossen, sitzt

das erste Tor für Wacker

in Sackmanns Heiligtum. Bei anhaltender leichter Feldüberlegenheit Wackers verstreicht die erste Hälfte des Treffens, obwohl auch Eintracht recht gefährliche Angriffe unternimmt. Ein Flankenlauf Szabos, der zum Ausgleich hätte führen können, wird dadurch unterbunden, daß Szabo am Arme festgehalten wird. Der Schiedsrichter ahndet jedoch dieses Vergehen nicht.

Nach der Pause erringt bereits in der 1. Minute Beuttler durch Verwandeln einer Vorlage Rockmanns den Ausgleich für Eintracht. Im weiteren Spielverlaufe ist nun Eintracht leicht überlegen, ohne daß man von einem Nachlassen der Wackeraner sprechen dürfte. Ein feiner Fernschuß Rehles streift über die Latte, dann rettet schon wieder Höß in größter Not. Kurz nach einer von Eintracht hinters Tor getretenen Ecke wird Szabo im Wackerstrafraum unfair "gelegt", der fällige Elfmeter von Kirchheim hoch überweggetreten. Eine Vorlage Rockmanns schießt Szabo unter dem Jubel der Zuschauer zum zweiten Tore für Eintracht ein. Nach kurzem Feldspiel erringt Nebauer für Wacker den Ausgleich. Die Spannung wird immer größer. Hin und her wogt der Kampf. Eintracht drängt. Eine Flanke Szabo wird von Pfeiffer verköpft. Beuttler umspielt einige Münchner in formvollendeter Weise und schießt unhaltbar

für Eintracht das 3. Tor.

Immer schneller wird das Tempo. Eintracht spurtet mächtig. Sackmann klärt. Und schon erzwingen die Einheimischen eine Ecke, die Pfeiffer über die Latte köpft. Eine 4. Ecke für Frankfurt endet im Aus. Wacker unternimmt zwischendurch weiter gefährliche Angriffe. Klemm rettet im verlassenen Frankfurter Heiligtum in höchster Not. Ein Zusammenspiel Szabo-Rockmann-Pfeiffer beschließt letzterer mit scharfem Schuß, der

Frankfurt den 4. Treffer

bringt. Die roten Adler werden überlegen. Ihrem Endspurt kann Wacker nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Ein von Höß zurückgespielter Ball gleitet dem unsicher werdenden. Bernstein aus den Händen, Pfeiffer ist prompt zur Stelle und —

Nummer 5 ist fertig.

Wackers Wiederanstoß kommt nicht weit, und schon jagt der linke Flügel des Gegners dem Münchner Strafraum zu, wo Beuttler wiederum in unfairer Weise zu Fall gebracht wird,. Der zu Recht gegebene „Elfer" wird von Szabo wuchtig verwandelt. 6:2! An- und Schlußpfiff fallen zusammen. Unter dem Jubel der begeisterten Zuschauer verlassen die Mannschaften, beide lebhaft applaudiert, das Spielfeld.

Die Wackermannschaft überraschte wohl jedem durch die wundervolle formvollendete Art und Weise ihres Spiels. Ballbehandlung und Körperbeherrschung sind bei den einzelnen Mannschaftsteilen gleich gut ausgebildet. Das flache, exakte Paßspiel entzückt jeden Fußballfreund. Nur im gegnerischen Strafraum dürften die Sturmaktionen individueller werden, müßte die maschinenmäßige Überkombination zugunsten eines herzhaften Torschusses in den Hintergrund treten. Dann wäre wohl auch gestern die Niederlage nicht in dieser Höhe ausgefallen! Der Sturm, in dem bedauerlicherweise Altvater fehlte, hatte keinen schwachen Punkt aufzuweisen. Die Außen, Weber und Kling, sehr schnell, Nebauer, der raffinierte Techniker, Ostermeier, ein wuchtiger Torschütze und Falk, eine ansprechende Verbindung zwischen den beiden Sturmflügeln. Von den beiden Verteidigern Höß der Bessere. Wohl möglich, daß dem schweren Huiras der Schnee nicht zusagte, doch von seinen „Hilfsmitteln" war das Frankfurter Publikum nicht sehr erbaut. Bernstein konnte uns Frankfurtern diesmal nicht sonderlich imponieren. Er glaubte sich wohl einem „Provinzverein" gegenüber, dessen Stürmer nicht schießen können? Er ist hoffentlich eines Besseren belehrt worden. Das Beste in der Münchener Elf war unstreitig die Läuferreihe. Wundervoll wie Rehle arbeitete, wie er mit seinen prächtigen Kopfbällen immer wieder seinen Sturm in den Kampf warf. Und dabei standen ihm seine beiden Nebenleute in ihren Leistungen kaum nach!

Unsere Frankfurter Eintracht überraschte aufs angenehmste. Der Sturm bot eine selten gesehene Leistung. Es ist lange nicht vorgekommen, daß Eintracht nach der Pause 6 Tore schoß. Das ganze Spiel war kaum weniger durchdacht wie das Wackers und trotzdem viel rationeller, viel mehr auf Erfolg eingestellt! Unter diesen Umständen mußten Tore fallen! Szabo glänzte durch rasante Flankenläufe, schien mir aber trotzdem manchmal zu lange mit der Ballabgabe zu zögern. Beuttler, kaum der Jugendelf entwachsen, bot eine technisch wie taktisch gleich hervorragende Leistung. Pfeiffer, wie immer, der überragende Sturmführer. Rockmann, das neue Gesicht in der Mannschaft, zeigte reife, wohlberechnete Fußballkunst. Seine Leistung hätte einen glückenden Torschuß verdient! Nur Weber auf dem rechten Flügel enttäuschte stark. Das war teilweise unüberlegte Kickerei, die kaum zu Erfolgen führen kann. Eintrachts Läuferreihe hatte in der ersten Halbzeit infolge des ungewohnten Schneebodens schwache Momente. In der 2. Hälfte stand sie derjenigen von Wacker kaum nach. Seitdem Klemm und Eberlein wieder in der Verteidigung der Riederwälder stehen, klappt die ganze Sache besser, obwohl gerade Eberlein sich gestern oft mit dem Schnee herumärgerte. Sackmann im Tore leistete die zuverlässige und solide Arbeit, die wir nun schon von ihm gewöhnt sind. Sein bravouröses Eingreifen fordert immer wieder lebhaften Beifall heraus.

Der Schiedsrichter Klee (Borussia Frankfurt) überraschte durch einwandfreie Abseitsentscheidungen, beging aber sonst einige auffallende Fehler, die ihm nicht unterlaufen durften. Beide Parteien waren jedoch gleichermaßen benachteiligt. (aus dem 'Fußball', Ausgabe 04/1923)


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